Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 20 (1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4903180-5965941-5965973--438-4903590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
349 seines Gottes willen, der die Erfüllung des Guten mit einer n alle Ewigkeit reichenden Seligkeit verknüpft, gegen welche alle andere Genussesseligkeiten völlig verschwinden, wie sollte er nicht alles daran setzen und alle mögliche» Pläne ersinnen, also das Gute zu üben, wie jene das Schlechte erjagen! Wäre die Neigung zum Guten also mächtig und stark in ihm wie eine Leidenschaft zum Schlechten, er würde mit aller Hinopferung Alles daran setzen, den Willen seines Paters im Himmel zu erfüllen. Freilich wo das Gute mit seiner Neigung übereinstimmt, es ihm auch leicht zu vollbringen ist, ohne Schwierigkeit hinsichtlich der Mittel und ohne Widerspruch und Hohn von den Menschen, da bedarfs nicht großer Pläne und Entschlüsse zur Ausführung. Allein wo die Ausübung des Guten schwer, wo in den Dingen und Menschen Schwierigkeiten liegen, da bedarfs - eines überdachten, entschiedenen und beharrlichen Vorsatzes, das gute Ziel trotz der Hindernisse zu erreichen. Weil aber dazu oft tiefe Weisheit gehört und ebenso große Ueberlegung und Klugheit wie sie sich bei den von Lust, Neid und Ehrfurcht Gestachelten finden, so kann der Gottesfürchtige viel von diesen lernen, kann es von ihnen absehen, wie sie spekulieren und streben und die größten Wagnisse bis zur Lebensgefahr bestehen, um nur oft die Lust eines Augenblickes zu büßen, und hat dann hinzugehen und um Gotteswillen, in Erstrebung des Guten eine gleiche Energie nnd Hinopferuug zu entfalten. „Ich will geheiligt werden in Israels Mitte!" fordert Gott von uns, daß wir uns um seines Namens willen hinopfern und wir von uns sagen können, „um dich ließen wir uns jeden Tag hinschlachten —" 66 (155). Auch die Neigung zum Bösen, sagten wir, ist eine Wohltat dem Guten. Hätte das Böse gar keinen Reiz für den Guten, welche Verdienst wäre das Gute, das er übt? Wenn ihn aber wohl die Leiden schaft reizt, er aber bezwingt sie um Gotteswillen, dann ist seine Sittlichkeit Verdienst. Und so erhöht die auch dem Bösen innenwohnende Anlage zum Guten seine Schuld. Hätte er nie das Gute ekannt, ihm wäre die Kehrseite des Bösen völlig fremd geblieben — er dürfte sich entschuldigen, er habe nie eine Vorstellung vom Guten gehabt. — Bist du in Versuchung, irgend ein Gutes und Edles aus Scheu vor den Menschen oder der Schwierigkeiten und Opfer wegen, die damit verbunden sind, zu lassen, oder ein Unrecht zu üben weil die dafür sprechende Leidenschaft zu heftig pocht und zu mächtig lockt, denke, welche Opfer, Marter und Tode du für die Standhaftigkeit in der Pflicht in Zeiten der Religionsverfolgungen erduldet haben würdest, und vergleiche damit die Opfer und Kämpfe, die deine Gegenwart von dir fordert, und du wirst sie leicht und geringe finden. 67 (1^6), Siehst du drei Geschlechter und aufwärts Talmide Chachamim und nun ihre Nachkommen Ame Haarez: glaube nicht, es hätte sich da der Satz der Weisen nicht bewährt, daß wo in drei Geschlechtern die Thora-Weisheit ihre Pflege gefunden, sie dann für immer in der Familie heimisch bliebe; denn gewiß haben sie sich in ihren Verheiratungen nicht