Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 20 (1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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347 rung, aber — und nun können wir wiederholen, was wir oben gegenüber der Bacillenfnrcht gesagt haben — bei der Sorglosigkeit, mit der stündlich brennende Gegenstände Hortgeworfeu werden, müßte ja längst die ganze Welt in Flammen anfgegangen sein, wenn die Berührung mit Feuer genügte, um in jedem Fake wieder Feuer zu erzeugen. Dennoch ist es nicht ratsam, bewußt brennende Gegenstände fortznwerfen, weil wir nicht vorher angeben können, ob nicht gerade durch diese Saat die „Ansteckung" erfolgen wird. Doppelte und dreifache Vorsicht ist geboten, wenn sich im Hanse — Oel befindet. Nicht anders bei der Ansteckung des Gesunden durch den Kranken. Oft wird das bakterienhaltige Material, das schon an unserem Körper haftet, wieder entfernt, es wird abgestreift, abgewaschen, bleibt im Nasenschleim kleben n. s. w., oder aber es gelangt zwar in den Körper, aber in mäßige Tiefe, aus der es wieder heransbefördert wird. Der Magen kann die Bakterien noch in vielen Fällen durch seinen Gehalt an Salzsäure ablösen. Dringen aber oie Bakterien in den Körper, so überschwemmen sie ihn nicht sofort, da sie in den Blutkreislauf nicht eingelassen, sondern in den Lymphdriisen wie in Sieben abgefangen werden. Ist alles vergebens, beginnt die Entfaltung der Giftwirkung und damit die Krankheit, so verfügt der Körper über Schutzkräfte, die der Krankheit ein rasches Ende bereiten. Denn der Körper hat immer Gegengifte bereit und versteht sie in der Stunde der Gefahr ganz bedeutend zu vermehren. Und gerade darauf dürfen wir vertrauen. Eben weil unser Blut soviel Gegengift schafft, können uns die Gifte der Bakterien nichts anhaben. Das ist der Grund, warum wir zwar täglich krankmachende Bakterien in uns aufnehmen, aber dennoch meist gesund bleiben. Aber wie in dem anderen Beispiel kommt es auch hier auf die „Natur" des Körpers au, wenn sich entscheiden soll, ob er Feuer fangen soll oder nicht. So wie es manches Holz gibt, das schnell Feuer fängt, anderes, das schwer oder garnicht angeht, so giebt es Menschen, die viel Gegengifte haben und gesund bleiben, und andere, die wenig Gegengifte bilden und krank werden. So kann z. B..ein Mensch durch Vererbung eine Neigung zu einer Krankheit besitzen. Dieser Mensch wird sich also im Verkehr mit einem Kranken anstecken, während drei andere bei gleichem Verkehr gesund bleiben. Aber es kommt nicht nur darauf an, ob mau von Natur aus zu einer Krankheit Neigung hat oder nicht. Es kommt hinzu, ob der Körper gesund und kräftig ist und daher genügend Gegengifte bilden kann, oder ob er von Natur aus oder durch eigene 'Schuld, durch nichthygienische Lebensweise, durch Ueberarbeitung, durch zu gute oder zu schlechte Ernährung u. s. w. so geschwächt ist, daß er nicht mehr genügend Schutzstoffe bildet. Jetzt gilt es einen Kampf, in dem einer der beiden Gegner unterliegen muß, ein Kampf, der fast täglich in unserem Blute ausgekämpft wird. Entweder erweist sich der Körper als stärker, dann sterben die Bakterien ab, es kommt garnicht zu einer erkennbaren Krankheit, oder aber das Fieber verschwindet, der Mensch wird gesund. Oder die Schutzkraft des Körpers reicht nicht aus. es ist kein Hemmnis gegen das Wachstum der Bakterien vorhanden, immer mehr Gifte überschwemmen den Körper, der schließlich zu Grunde geht.