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Jüdischer Volksbote · 1912-01-01 · 20 (1.1912) · p. Seite 346

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
20 (1.1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 346 (sequence 8)
Language
German
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346 Äluge nicht wahrnehmbar sind, Bakterien genannt. Sie sind, wenn ihnen nichts eutgegenwirkt, einer ungeheuren Bermehrung fähig. Die meisten von ihnen sind für den Menschen unschädlich, andere aber erzeugen, wenn sie (z. B. mit dem Finger in den Mund oder durch Einatmung oder durch eine Wunde) in unseren Körper gelangen, bestimmte Gifte und daher bestimmte Krankheiteu. So giebt es Bakterien, die Influenza, Lungenentzündunge Keuchhusten, Cholera, Wochenbettfieber, Scharlach, Schwindsucht u. s. w. erzeuge». Wie bei dem Beispiel des Feuers, so genügt es auch hier, dass die allergeringsten Spuren einer Berunreiuiguug mit diesen Bakterien direkt oder indirekt iu einen gesunden Körper gelangen, n« diese» in gleicher Weise erkranken zu laffen. Da nun jeder Neuerkrankte wieder Gesmidk anstecken kann, so kann eben schließlich ein einziger Fall zum Ausgangs» Punkt einer ganzen Seuche werden. Nun gibt es zwar Mittel, um diese Bakterien, wenn sie z. B. an unserem Finger haften, zu vernichten. Auch muß die Krankheit, wenn schon die Erreger im Körper sind, durchaus nicht in'jedem Falle augehen. Vor allem aber können wir ja durch die not» wendige Vorsicht diese schädlichen Stoffe meist von unserem Körper fernhal» ten. Aber trotz alledem sind die Möglichkeiten und Gelegenheiten zur An» steckung beim Verkehr mit anderen Menschen, zumal in der reichbevölkerten Stadt, so zahlreiche und mannigfache, und wir sind darüber, von welchen Menschen uns gerade im Augenblick eine Ansteckung droht, s o wenig orien», tiert, daß nian begreifen kann, wie die Menschen vor 30—40 Jahren, ja zum Teil auch heute noch, von einer Bakterieufnrcht ergriffen wurden, sobald ihnen die erwähnten Tatsachen bekannt wurden. Unter dieser Furcht litten zahllose Menschen stärker, als unter den Folgen der Unwissenheit. Und doch hätten sie sich von der Furcht durch die bloße Ueberlegung befreien können, daß, wenn wirklich die' Uebertragung geringster Spuren von bakterienhaltigem Material auf die gesunde Umgebung durch Berührung oder Einatmung sofort auch die Uebertragung der Krankheit zur Folge hätte, — daß es dann überhaupt keine frischen und gesunden Menschen auf der Erde mehr geben könnte, uud daß die Menschheit dann längst ausgestorben wäre. Denken wir wieder an das Beispiel der Flamme. Genügt es denn, daß man ein Stück Holz eine Sekunde ans Feuer hält, um es sofort zu entzünden? Durchaus nicht. In manchen Fällen wird das natürlich Vorkommen; ja wenn das Holz (wie bei unfern Streich» hölzern) an der Spitze eine Zündkuppe hat, wird die augenblickliche Entzündung sogar die Regel sein. Aber selbst das Streichholz wird oft wieder ausgehen und rasch verglimmen; und wenn wir dennoch das Feuer am Streichholz gut zu erhalten verstehen, so kommt das daher, daß wir es sorgfältig vor jedem Windhauch schützen, der sonst das Feuer rasch verlöschen würde. Aber selbst wenn es gelingt, ein gewöhnliches Stück Holz rasch zn entzünden und vor dem Wind zu schützen, so wird es dennoch ausgehen, wenn das Holz feucht ist. Alle diese Schwierigkeiten wiederholen sich, wenn ich mit dem brennenden Holz das Feusterkreuz, ja das ganze Haus.in Brand sehen wollte. Daß solche Brände entstehen können, wissen wir aus Ersah»

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