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Jüdischer Volksbote · 1912-01-01 · 20 (1.1912) · p. Seite 343

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1912
Issue
20 (1.1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 343 (sequence 5)
Language
German
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343 ES ist ein großer Unterschied, wie man sein bischen Können «nwendet, wie man Kraft und Fähigkeit verwertet, wie man seinen halben Schekel spendet, ob zu rein persönlichem Zweck, oder zu einem höheren. Dadurch kann deul halben Schekel ein höherer oder geringerer Wert verliehen werden. Wenn ich einen halben Schekel zur Verfügung habe und kaufe mir dafür etwas Ueberflüssiges, Nutzloses, so wird das für den halben Schekel Eingetauschte fast wertlos. Verschenke ich aber das Geldstück, unterstütze damit einen Bedürftigen, helfe ihm aus einer augenblicklichen Not: dann habe ich ihm nicht blos einen halben Schekel geschenkt nein, dieser halbe Schekel erhält den Wert eines großen Geschenkes Und derselbe große Unterschied ist es auch, ob ich für mich, für rein persönliche Bedürfuiffe meine Geistesgaben verwerte, oder zu meiner geistigen Ausbildung, zur sittlichen Vervollkommnung. Und diese Seite unserer Pflicht tritt in den Vordergrund, muß vorherrschend sein. Unsere Vernunft muß vorwiegend dem geistigen, sittlichen Menschen gewidmet sein, sonst sinkt der Wert unseres Lebens tief herab. Während andererseits der Wert unserer geringen Kraft an Bedeutung gewinnt, viel höher angeschlagen werden muß, als sie sonst es eigentlich verdient. Wie bedeutsam dieser hohe Wert ist, das wird uns klar durch die weitere Benierkung *6 bim mv xS vryn nxnea v'pv-, daß „der Reiche nicht mehr und der Arme nicht weniger, als einen halben Schekel" geben soll. Während der halbe Schekel eines Armen als Spende viel mehr Wert hat, als der eines reichen Mannes, so ist beim trmpr. Sptp, wenn der Reiche und der Arme ihrer höheren Menschenaufgabe ihre Kraft leihen, wenn sich Beide bemühen, echte, edle Menschen zu sein, ihr halber Schekel gleichwertig. Es wirft sich uns die Frage auf, warum die heilige Schrift dieses Gleichnis vom Reichen und Armen noch anführt, da doch schon gesagt ist, daß Alle, vom 20. Jahr an, also reich wie arm, einen halben Schekel geben sollen. Es gibt einen Reichtum, der in Wahrheit etwas Wertvolles ist, es gibt eine Armut, die eine Sckande ist. Wer nach des Lebens höchstem Gute strebt und in Verbindung mit der Gesamimcnschheit dahin wirkt, daß dieses Gute allen Menschen gemeinsam ir, de, ist in der Tat reich, auch wenn er an irdischen Gütern keinen Ucbrrfluß hat. Und wer nur nach sinnlichem Genuß strebt, seinen Leib pflegt, nur an sich denkt, nur für sich sorgt, allein

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