Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1912
- Issue
- 20 (1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 342 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4903180-5965941-5965973--431-4903583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
342 die ganze Kraft in Anspruch nimmt, uns von der Mitwirkung an dem Gesamtwohl zurückhält, das bedarf keines weiteren Beweises. Tausende glauben auch, durch diese erste Pflicht von der anderen entbundeu zu sein. Wie gerne vergißt man auch dieser Pflicht gegen Andere! Wie leicht spricht man stch frei im Hinblick auf die Pflicht für sich und seine Familie und glaubt schließlich, daß man damit seine Pflicht ganz erfüllt habe, seiner Aufgabe als Mensch vollkommen genüge. Tausende gibt es, die sich um gar nichts kümmern, was die Außenwelt fordert, die nichts davon wissen wollen, nur sich leben und so als friedliebende, ehrenwerte Männer gerühmt werden. Und doch, wenn man einen solchen Pflichtmenschen richtig beurteilen will, so zeigt er sich uns höchstens als ein ehrenwerter Egoist, der seine Menschenaufgabe kleinlich und engherzig auffaßt. Wenn man aber außer der Liebe und Achtung seiner Familie sich auch die Liebe uud Achtung seiner Mitmenschen erwerben will, so gehört zum mindesten die Hälfte unserer Wirksamkeit auch diesen an. Darauf weist'uns die Vorschrift hin bpvn mme D'Yipon by naiyn bi urr nt „Dieses sollen geben Alle, welche durch die Musterung gehen, einen halben Schekel." Sobald man mitaufgenommen ist unter die Zahl der Gesamtheit, soll man den halben Schekel geben. Halb nur gehört man stch an, halb der Gesamtheit. Denn sonst ist das ganze Tun nur ein halbes. Das ganze Wirken aus Erden ist ja au sich schon nur ein halbes. Unser irdisches Streben bleibt, bei noch so großer Vollkommenheit — und in gewisser Beziehung können wir vollkommen sein — immer nur ein Halbes, weil ja Alles nicht bleibend und von Dauer ist. Um wie viel mehr erst müssen wir suchen, in Verbindung mit der übrigen Welt Höheres zu erstreben. Bedeutendes oder doch Dauerhafteres zu vollbringen, das größeren Wert hat. Die Notwendigkeit des Zusammenwirkens und die Unzulänglichkeit der eigenen Kraft führt zumeist die Menschen dahin, einen Teil ihrer Menschenpflichten zu erfüllen. In hunderten von Fällen erbringt uns das Leben den zwingendsten Beweis, daß wir nur durch Mitwirkung Anderer Schutz und Sicherheit uns verschaffen können und so, wie diese uns helfen, wir ihnen beistehen müssen. Wo es aber unser eigenstes Wesen betrifft, da ist diese Notwendigkeit für uns nicht so zwingender Natur. Der halbe Schekel, heißt es, soll vnpnbpvz, nach dem heiligen Schekel, gegeben werden.