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Jüdischer Volksbote · 1911-12-01 · 19 (12.1911) · p. Seite 337

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
19 (12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 337 (sequence 17)
Language
German
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337 (Ein Nichtjude über das Judentum. Der den Lesern unseres Blattes als Verfasser zweier historischer Ver- Sffentlichungen des „Jüdischen Volksschriftenverlags" bereits bekannte Münchener Arzt Dr. I. Weigl, hat soeben im Berlage von I. (Sutten* tag in Berlin ein größeres Werk über „Das Judentum" veröffentlicht, das -auf über 300 Seiten die Entwicklungsgeschichte und Religion des Judentums, ihre Quellen und ihren Inhalt, ihre Betätigung im Leben und das Verhältnis des Judentums zum Staate gründlich behandelt/ Wir werden -vielleicht noch häufiger Gelegenheit haben, auf das Werk hinzuweiseu und möchten heute nur die nach mehr als einer Richtung überaus intereffante Einleitung im Wortlaute wiedergeben. Der Verfasser schreibt: Wenn ich an den Juden denke, sehe ich vor mir stets die düsteren Schatten aufsteigen, die den Haß in die Menschheits- -geschichte trug von Anbeginn und bis zum heutigen Tag: so daß nimmer Alle ihres Seins froh werden konnten, sondern aus den Jahrtausenden und Jahrhunderten unausgesetzt des Leides banger Wehernf an unser Ohr vernehmlich dringt: als ob wir Menschen nicht alle Brüder und Schwestern wären und eines himmlischen Vaters Kinder. Aus Egypten, Affur und Babel aus dem altersgrauen Orient und aus den Ländern des Okzident, von den jüngsten über den Atlantik herüber tönt mit überwältigendem Eindruck die große Menschheitsklage und findet nicht Ruhe, gleich der Brandung der ewig ruhelosen See: Was hasset ihr euch staubentstiegene Eintagswesen, in der kurzen Spanne Erdenwallens, die Euch gegeben, Werte zu schaffen für die zukünftige Welt? Muß das Hassen, sein? — Aber freilich, seit Adams Erstgeborener im Groll den Bruder schlug, ward der Haß Leitmotiv, das nie verrauschte, Individuen, Sippen, Völker in ihren Interessengegensätzen bewegte und niemals in die friedlichen Akkorde weltversöhnender Liebe Aller zu Allen übergeleitet wurde. Bis Heute noch konnten keine Kulturform und keine Religion so mächtige Gefolgschaft finden, daß der Haß begraben wurde. Und seit dreitausend Jahren ist der Jude der Vielgehaßte. Vom Gestein der Pyramiden, vor deren Größe Ihr staunend steht — Zwerge vor Riesenbauten, flüchtige Augenblicksgestalten vor Säkularmonumenten — widertönten die klagenden Stimmen der Jakobssöhne, die in M izrajim mit fleißigen Händen sich mühten und um ihr Leben und Schaffen betrogen wurden, rechtlose Hörige der Söhne Mena's. Wo an den Rändern des Dschesireh die wuchtigen Denkmale des Reichtums Babels und der Stärke Afsurs von gewaltigen Vergangenheiten lautlos zeugen: künden sie auch von dem Haß der ein friedliches Volk niederwarf und aus den Gefilden der Heimat in die Verbannung stieß. Ist es nicht, als wenn an stillen Abenden an des Euphrat Wellen zum schlafenden Duar es emporrauschte von Millionen Seufzern geknechteter Israeliten und durch das Laub der alten Weidenbäume der Widerhall vom *) — Egypten, cf. das arabische „MaSr".

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