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Jüdischer Volksbote · 1911-12-01 · 19 (12.1911) · p. Seite 336

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
19 (12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 336 (sequence 16)
Language
German
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336 Akiba ging. Geflügelten Schrittes eilte er der Hütte des armen Elijahu zu und brachte ihm die Ersparnisse Rahels. Dann ersuchte er eine Nachbarin die nötigen Einkäufe zu machen und die Unglücklichen mit Speise und Trank und allem Notwendigen zu versorgen. Die Bewohner von Korchah waren arm und konnten weder mit Geld noch mit Lebensmitteln aushelfen; aber sie waren gefällig, und da jetzt Geld vorhanden war, übernahmen sie es gern, alles Fehlende herbeizuschaffen. Es war eine Freude, zu sehen, wie die armen hungernden Leute erquickt wurden, wie sie gleichsam auslebten unter der Hand ihrer Pfleger. Sie begrüßten Akiba als ihren rettenden Engel. Er aber lehnte den Dank ab. „Nicht mir seid ihr verpflichtet", sprach er, „sondern dem edlen Weibe, das ich so glücklich bin mein eigen zu nennen. Sie hat das Geld ffkit ihrer Hände Arbeit erworben und pfennigweise erspart. Es ist zwar nur wenig, doch wird es für die nächsten Tage ausreichen und Gott wird weiter helfen". Am andern Tage trat Akiba vor seinen Lehrer und bat ihn, ihm zu gestatten, einige Stunden des Tages vom Lehrhause fern zu bleiben. „Bisher", sprach er, „hat mich mein Weib ernährt und die Kosten des Haushalts bestritten, sodaß ich ungestört mich dem Studium widmen konnte. Nun aber wird sie für einige Zeit nicht im Stande sein zu arbeiten. So muß ich denn daran denken, so viel zu erwerben, wie wir gebrauchen. Aber ich werde dem Studium deshalb nicht minder eifrig obliegen; ich werde einen großen Teil der Nacht zu Hilfe nehmen". »Gestatte mir", entgegnete Nachum, „daß ich Dir mit dem Meinigen aushelfe; ich bin wohlhabend und es ist mir ein Leichtes, Dir so viel zu gewähren, wie Du gebrauchst, um Dich und Deine Familie zu ernähren". »Das sei fern von mir," antwortete Akiba, „daß ich Geschenke annehme, solange mein Arm noch kräftig ist, um Mein Brot zu erwerben; ich würde dadurch nur Andere berauben, die arm und krank sind und nicht im Stande, für sich selbst zu sorgen. Siehe, Rabbi, .da ist in meinem Dorfe ein armer Mann, namens Elijahu; er liegt seit Wochen auf dem Schmerzenslager, denn er hat ein Bein gebrochen, und nun hat seine Frau am gestrigen Tage ein Knäblein geboren. Willst Du für diese Elenden und Armen sorgen, Rabbi, so wirst Du ihnen in der größten Not ein Retter sein. Diese bedürfen dringender Hilfe, nicht ich"

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