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Jüdischer Volksbote · 1911-12-01 · 19 (12.1911) · p. Seite 331

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
19 (12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 331 (sequence 11)
Language
German
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331 selbst dafür strafbar ist, »aas man durch eigenes Nachdenken hätte erkennen können, wenn es auch nicht ausdrücklich geboten worden. So zürnte Moses den Heeresführern bei ihrer Rückkehr aus der Schlacht gegen Midjan, ob». gleich ihnen die Erhaltung der Midjaniterinnen nicht ausdrücklich verboten worden, weil sie dies aus eigenem Nachdenken hätten folgern können. So konnte sich auch Bileam nicht mit Unwissenheit entschuldigen, als er fein Tier geschlagen hatte. „Ich habe gesündigt, daß ich nicht wußte, daß du mir entgegensiebst", sprach er zum Engel. Seine Unwissenheit selbst war somit seine Sünde. Darum strebe jeder Fromme nach kluger Einsicht in der Frömmigkeit, damit man ihn nicht wegen seines Unwiffens strafe, wenn «r durch einsichtige Ueberlegung das Rechte hätte erkennen können. Bor dem in dein Inneres blickenden „Herrscher kannst dn) nicht sagen, es sei ein Irrtum gewesen," Darum hatte ich eben beabsichtigt diese Schrift für Gottesfürchtige zu verfassen, damit sie nicht etwa eine Heimsuchung treffe und sie glauben, es sei behüte ohne Grund, und Gott ist doch gerecht und Feind jeder Krümme. Aufmerksam wollt ich daher ans die mannigfachen Seiten eines gewissenhaften Lebenswandels machen, und mehr noch als ich «s anzudenteu vermochte, möge der Leser aufmerksam werden, und wo ich geirrt, möge ein Weiserer es einsehen, das Irrige verbessern und Gott sein lebelang ehrfürchten. 63 (izz). „Der Weisheit Anfang ist Gottesfurcht". So oft du im Begriff bist etwas zu tun. denke, wenn ein anderer es tun wollte und dich um Rat früge, wie du für andere geurteilt hättest, so urteile für dich, daß ist der Sinn des: oiwi jo iS msem. Wird dein Sohn unterrichtsfähig, erwirb dir für ihn nur einen weisen, gottesfürchtigen Lehrer. Gottesfurcht ist ja Anfang und Bedingung alles Wissens, und nur durch einen gottesfürchtigen Lehrer bringst du ihn zur Gottesfurcht. Ohnehin gebührt ihm von allem Anfang das Erste aller Erstlinge und die Hebe von Allem (so auch ihm der Anfang und die Hebe von allem Wissen). 64 (,55). So sei Ihm auch der Anfang jeden Tages und jeder Nacht geweiht, Ihn für die Genüsse des Tages und der Nacht zu segnen, wie es heißt: „Sehe ich deine Himmel, das Werk deiner Iinger, Mond und Sterne die du in die Bahn gerichtet", und wie es eben in den Gebeten 3"iyo und ns nrv seinen Ausdruck gefunden. Stehst du vom Schlafe auf, erwachest du, sei sie, die Gottesfurcht und Weisheit, dein erster Gedanke. Wie du die Augen öffnest, denke an deine Aufgabe und deinen Bedarf, allein bevor du an dich denkst, denke an Gottesfurcht, denn auch hier gilt: Gottesfurcht ist der Anfang des Wissens. Träte Jemand aus dem Kerker, würde er sich nicht Gott zu danken verpflichtet fühle»? Wo gäbe es aber eine bindendere Fessel als der Schlaf? Darum ziemt sich's wohl Gott für das zu danken, was dir bis dahin versagt war und du mit dem Erwachen wieder erlangst: die Gewalt über deinen Körper, den freien Gebrauch jeden Gliedes, die Hände, die aus der Unfreiheit wieder zum freien, reinen, menschlichen Schaffen erstehen und darum — außer der Gesnndheitsrücksicht — zu dieser erneuten höheren Bestimmung durch Waschen geweiht werden.

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