Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 19 (12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 330 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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330 doch keiner ein zornmütiger Haustyrann, den Weib und Kind und Hausgesinde fürchten. Aus Angst vor seinem Zorn könnten sie sich leicht der größten Verbrechen und Vergehen gegen die heiligsten Gesetze erlauben, um zufällige Nachlässigkeiten ihm zu verheimlichen. Auch Gemeindevorsteher mögen wohl sich hüten, sich nicht etwa durch Härte oder gewaltsames Regiment, Furcht und Respekt in der Gemeinde erwerben zu wollen. Ein hoch- und zornmütiger Gemeindelyranu gehört, nach den Worten der Weisen, zu denen, für welche selbst die Hölle nicht Feuer genug hat, or« om nSn citj. S8 (u6). Hast du dich selbst in Verdacht gebracht, verzeihe denen, die dich in Verdacht haben; bist du doch selbst Schuld daran. 58 (,4») (154)- „Am sechsten Tage sollen sie bereiten —* Sehr sorgfältig sei jeder nach Kräften auf Vorbereitung für den Sabbath bedacht. Käme eine Königin bei ihm zu Gast oder seine Braut mit ihrem Gefolge, wie würde er sich freuen, wie durch solchen Besuch sich geehrt fühlen, und wie würde er beides durch das emsigste Bemühen an de» Tag legen, Haus und Tisch für Empfang und Bewirtung solcher Gäste würdig herzurichten. Hätte er Tausend Diener, er wünschte Alles selbst zu tun und sähe nach Allem selbst. Wo gäbe es nun eine größere Königin und eine herrlichere Braut als Sabbath, die „Wonnige!" — Pflicht ist es auch, jeden Freitag die 39 verbotenen Werktätigkeiten zu repetieren, damit min nicht aus Vergessenheit zur Sabbathverletzung komme, ebenso wie man die Festgebote vor Eintritt der Feste lehrt und lernt. 60 (15,). „Du bist nah in ihrem Munde und fern von ihrem Innern"; von wem gälte dieses mehr als von Jenen, die etwas Sündhaftes, Unsittliches oder Böses von ihrem Nächsten mit vollem Bewußtsein sprechen und „Gott verzeih' mirs" hiuzufiigen. Wie sollte ihnen Gott verzeihen; sie wissen, daß sie Unrecht tun und tun es doch! Sie fürchten weder Gott, noch die Sünde noch die Strafe. Sie könnten ja das Wort ungesprochen lassen, von dem sie wissen, daß es Unrecht sei. Wie können sie glauben, es würde ihnen verziehen werden, wenn sie nur ihr „Gott verzeih' mirs" beifügen! 61 (,52). „Des Menschen Wille ist seine Ehre", selbst hinsichtlich der Eltern. Sonst könnte selbst der bravste Sohn sich nicht vor Sünde hüten. Er dürfte sich ja nicht einmal ein Glas von Vater und Mutter reichen lassen! Gottesfürchtige Eltern sollten daher von vornherein im Stillen, ohne daß es die Kinder wissen, auf ihre Ehre Verzicht leisten, damit sie sich nicht versündigen, wie Rab Huna einmal seinem Sohne ein seidenes Gewand zerriß, um ihn auf die Probe zu stellen, ob er sich nicht ereifern würde, und ihm im Voraus im Herzen verzieh, wenn er etwa die Probe nicht bestehen werde. 62 (lgz). Mancher möchte gerne recht fromm und gottgefällig sein, allein er hat die frommen, gottgefälligen Wege nicht gelernt; würde er sie kennen, er würde sie erfüllen. Es gehört nämlich kluge Einsicht zur Frömmigkeit. „Immer sei", lautet der Weisen Spruch, „der Mensch klng in der Gottesfurcht!" Lehrt uns doch das göttliche Gesetz selbst, daß man