Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 18 (9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- Seite 314 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Akiba. Historische Erzählung von Rabbiner Vr. M. Lehmann. - (Fortsetzung). Akiba war ein viel zu pflichttreuer Diener, als" daß sein Liebestraum ihn hätten veranlaflen können, den Dienst seines Herrn zu vernachlässigen. Er ging, an seine Arbeit und suchte die Jntereflen seines Herrn nach allen Seiten hin zu wahren; kein Knecht, keine Magd, wagte es, sich der Trägheit hinzugeben, oder gar 'etwas zu veruntreuen. Akiba war überall, und nichts entging seinem aufmerksamen Auge. Die Herden gediehen unter seiner Leitung, und ersichtlich wuchs der Reichtum seines Herrn. So vergingen die Tage und Wochen. Rahel sprach er nicht wieder, aber er war glücklich, wenn er sie von weitem erblickte, daß ihr Auge liebevoll auf ihm ruhte. Noch hatte er nicht gewagt, vor seinen Herrn hinzutreten, und chm die Bitte vorzutragen, die diesem als eine alle Grenze, überschreitende Kühnheit erscheinen mußte. Da sprach Kalba Sabua eines Tages zu chm: „Akiba, ich bin mit Dir zufrieden. Du mühst Dich ab in meinem Dienste, und mein Eigentum gedeiht unter Deiner Hand. Du hast mir aber noch nicht gesagt, welchen Lohn Du für Deine Dienste forderst." Akiba erzitterte; jetzt war der Augenblick gekommen, in welchem er mit seinem Herrn reden mußte. Er nahm all seinen Mut zusammen und sprach: „Du hast, o Herr, diese Frage schon einmal an mich gerichtet. Damals trat gerade Deine Tochter herein, und als ich sie erblickte, dachte ich in meinem Herzen: Könnte ich doch sprechen, wie einst Vater Jakob sprach: Ich will Dir dienen sieben Jahre um Deine Tochter Rahel! — Jetzt o Herr, möchte ich dieselbe Bitte, aber in anderer Weise an Dich richten. Entlaste mich aus Deinen Diensten, damit ich, dem Wunsche Deiner Tochter entsprechend, mich dem Studium der heiligen Lehre widme; denn unter dieser Bedingung hat Deine Tochter versprochen, mein Weib zu werden." Kalba Sabua glaubte, nicht recht gehört zu Habens er sah den Jüngling mitleidig an und sagte: „Ich verletze Dich nicht, Akiba. Ist Dir vielleicht ein Dämon in der Gestalt meiner Tochter erschienen