Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1911-06-01 · 17 (6.1911) · p. Seite 304

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
17 (6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 304 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4903180-5965939-5965970--381-4903537
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

304 V. Akiba stand wie erstarrt; ein Gefühl des Glückes war über ihn gekommen, wie er es noch niemals empfunden hatte. Rahel, die schöne, edle Rahel, die er, sich selber unbewußt, geliebt hatte, von dem ersten Augenblicke an, da sie sein Auge erblickte, wollte sein Weib werden l Die vornehme, reiche, hochgebildete Tochter seines Herrn wollte herniedersteigen zu ihm, dem armen. Hirten I Selbst seine Träume hatten keinen so hohen. Flug genommen; er hätte aufjauchzen mögen, so laut, daß die fernen Berge widerhallten von dem Entzücken seiner Seele! So stand er da, die blühende Landschaft mit verklärtem Auge überblickend. Alles, was er sah, gehörte dem reichen Kalba Sabua, und es sollte sein Eigentum werden, das Eigentum eines bisher armen, besitzlosen Mannes l In der Ferne weideten die Schafe, die Rinder, die Pferde und Esel in großer Anzahl, ein fürstliches Vermögen! Und das Alles sollte künftig ihm gehören! Und alle diese Schätze waren doch nur gering und unbedeutend im Vergleiche zu dem schönen, herrlichen Mädchen, welches ihn erkoren hatte, welches ihn zu sich emporheben wollte! Bei diesem Gedanken fiel doch ein Tropfen Wermut in den Kelch seiner Freuden. Es erschien ihm seiner nicht würdig, daß er Reichtum und vornehmen Rang, einzig und allein der künftigen Gattin verdanken sollte. „Wärest Du arm, Rahel/ sprach er vor sich hin, „und ich könnte Dich zu mir emporheben, und könnte Dir alle Güter dieser Erde zu Füßen legen, ich würde mich noch glücklicher fühlen. Dann würde mir auch' die schwere Aufgabe nicht zu Teil werden. Deine Hand von Deinem Vater zu verlangen. Wie kann ich es wagen, mit solchem Ansinnen vor ihn zu treten! Er wird mich für wahnsinnig halten, weil ich, sein Knecht, ein armer, ungelehrter Hirte, die Kühnheit habe, sein einziges Kind zu begehren. Er wird mich aus seinen Diensten jagen und seine Tochter auf das Schnellste an einen Anderen verheiraten wollen, der ihm würdiger erscheint, als ich.. Und doch muß es geschehen. Hilf mir, allgütiger Gott, hilf mir, die Hand meiner Rahel zu erringen, und ich gelobe es Dir mit heiligem Eide, daß mein ganzes künftiges Leben nur Dir, nur Deinem Dienste, nur der Erforschung der heiligen Lehre gewidmet fein soll!" (Fortsetzung folgt).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.