Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 17 (6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 303 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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303 in der ägyptischen Sklaverei geboren wurden, heranwuchsen und starben, die das Licht der Freiheit nicht erschauten? Und doch waren auch sie ein notwendiges Glied in der Kette der Ereignisse; ihre Kinder empfingen die Thora am Sinai, ihre Enkel nahmen Besitz vom Lande der Verheißung. — Erscheint uns das Leben der in der Knechtschaft Geborenen und Gestorbenen nicht elend und freudlos? Sie dursten kaum rasten bei der harten Arbeit, ihre neugeborenen Söhne waren immerwährend vom Tode bedroht. Und doch hat der allgütige Gott auch das Leben dieser Unglücklichen mit einem reichen Matze von Freuden geschmückt. Die Frauen waren es, die edlen frommen Frauen Israels, welche es sich zur Aufgabe stellten, ihre so hart geprüften Männer zu beglücken. Sie verschmähten die ägyptischen Herren und hingen in unwandelbarer Treue ihren geknechteten Gatten an. Für sie schmückten sie sich, für sie lebten sie und verloren den Mut und die freudige Hoffnung nicht, selbst wenn die Schergen des Tyrannen ihnen ihre Lieblinge, ihre Kinder raubten um sie im Flusse zu ertränken. Wie damals das häusliche Glück und die innige Liebe zwischen Mann und Weib Israel aufrecht erhielt und stählte und kräftigte, so ist es auch geblieben in allen Zeiten der Not und Gefahr. Auch in unserer Zeit wird die Liebe wachen an unsren Pforten und uns lehren, allen Leiden Mut und Ausdauer entgegenzusetzen." .Wenn ich ein Weib finden würde, das mir treu und liebend zur Seite steht, ich würde nicht sorgen um die Not des täglichen Lebens, würdemich freudig und gern der Erforschung der Gotteslehre widmen, selbst wenn ich nicht wüßte, woher ich Speise und Trank und Gewand nehmen sollte. Aber dieses Weib müßte so sein, wie Du, o Herrin. Nicht jedoch wage ich, mein Auge zu dir zu erheben." „Und ich, wenn ich wüßte, daß Du einst ein Lehrer würdest werden in Israel — ich würde Deine Werbung nicht zurückweisen." „Du stellst mir das Ziel ins Ungewisse." „Ich würde Deine Werbung nicht znrückweisen, wenn Du mir versprechen möchtest. Dich der Erforschung der Gotteslehre zu weihen, magst Du jenes Ziel erreichen oder nicht." „Rahel, Du wolltest ..." Er suchte ihre Hand zu ergreifen, sie aber zog die Hand zurück. „Sprich zu meinem Vater, rief sie und eilte von Lannen".