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Jüdischer Volksbote · 1911-06-01 · 17 (6.1911) · p. Seite 302

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
17 (6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 302 (sequence 16)
Language
German
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302 wissendes Mädchesi? Geh' hin und lerne, so werden sich Dir die Rätsel der göttlichen Weltenlenkung erschließen!^ .Und bietet die Thora wirklich solche Wissenschaft?- .Schau bokt hinab, Akiba. Der Bach fließt dahin. Gewaltige Steine suchen seinen Lauf zu hemmen. Er aber stürzt sich auf sie zerschellt zwar an ihnen, spritzt in die Höhe und löst sich auf in unzählige Tropfen. Aber die Tropfen sammeln sich wieder, und ruhig setzt der Bach seinen Lauf fort, bis er auf neue Hindernisse stößt, die er gleichfalls überwindet. So geht er unaufhaltsam seiner Bestimmung entgegen, bis er sich ins Meer ergießt. Und nun betrachte die Steine, die großen gewaltigen Felsmasien. Schon sind sie ausgeschliffen, durchlöchert und durchbohrt von der Gewalt des schwachen Wassertropfens. Siehe, diesem Bache gleicht unser Volk, wenn es erfüllt ist vom Geiste der Gotteslehre. Ihm stellen sich, gewaltigen Felsmassen gleich, die feindlichen Völker entgegen. Unaufhaltsam verfolgt es seinen Weg, den ihm die göttliche Vorsehung vorzeichnet. Nicht können die Steine es hindern; aber sie werden zermalmt und durchbohrt von der Gewalt des scheinbar so schwachen Wassertropfens, wie es heißt: Das Wasser hohlt die Felsen aus." „Steht das wirklich in der heiligen Schrift?- „Jjob sagt es, der große Dulder!" „Wunderbar! Solche Weisheit findet sich in der 2 Tchora?- „Jn der Thora, die Du verschmähst, der Du die ganze Kraft Deines Geistes widmen solltest.- „O, sage mir nur Eines, Herrin: warum mußte das große Unglück, die Zerstörung des heiligen Tempels, die Vernichtung des jüdischen Staates, gerade in unfern Tagen über uns hereinbrechen? Warum müsien gerade wir das Alles erdulden, warum sind wir nicht geboren worden in der Zeit des Frohsinns, warum müssen wir büßen für die Sünden der Väter?* „Ich kann Dir nur wiederholen: Geh' hin und lerne. Aber die Geschichte unseres Volkes lehrt uns, daß auch der Ungelehrte manches verstehen kann von den geheimnisvollen Wegen der göttlichen Vorsehung. Als Gott in grauer Vorzeit den Bund schloß mit unserem Vater Abraham, da verhieß er ihm: Und f remdlinge werden sein Deine Nachkommen, in einem ande, das ihnen nicht gehört und man wird sie knechten und peinigen vierhundert Jahre lang. Und nun bedenke, was hatten Diejenigen verbrochen, die

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