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Jüdischer Volksbote · 1911-06-01 · 17 (6.1911) · p. Seite 298

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
17 (6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 298 (sequence 12)
Language
German
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298 die Finger. wie Pflöcke zugespitzt, damit man den Finger ins Ohr stecke, weuw man Ungebührliches hört. Oder schließe daS Ohr mit dem Ohrläppchen und höre gar nichts. Auch wenn sich Menschen zanken, mische dich nicht leicht in den Streit. Selbst wenn man auf deine trnersten Verwandten in deiner Gegenwart schmähte, beherrsche dich und antworte nicht Ungebührliche-, sondern begnüge dick mit Einem Worte deS Schmähers Zähne stumpf zu machen, sage ihm, er lüge, und damit genug. — Prahlte einer noch so sehr auf unerträgliche Weise, und es wäre dir noch so leicht ihn von sei» uem hochmütigen Gerede herab und zum Schweigen zu bringen; lasse ihn reden; was gewinnst du dabei? Aergere auch keinen Menschen, auch den Richtjudeu nicht; du vergissest's, er aber nicht. — Sei auch nimmer überlaut und hart in deinen Antworten. Was du zu sagen hast, sage immer bescheiden und anständig. Der Weisen Worte vernimmt man in Ruhe. Sprich auch nichs Ueberflüssiges, selbst nicht unter Männern, noch weniger unter Frauenzimmern. Treten Spötter unerwartet in deine Gesellschaft und führen leichtfertige Reden; weise sie nicht zurecht, sie haßten dich nur; sondern gehe von ihnen, daß du nichts von ihnen lernst. Leichtfertige Reden sind die Schrittmacher der Unzucht. 40 (7«, 77). Rufe! keine Strafe über deinen Nächsten herab und keinen Fluch, sondern bete über ihn, daß Gott sein Herz friedlich stimme und zum Bessern wende. Rufe über Keinen Gottes Strafgericht wach: Gott räche uns an ihm, strafe den Bösen nach seiner Bosheit rc. Rnft Einer Gottes Strafgericht gegen den Nächsten an, da tritt die Gerechtigkeit vor Gott hin und spricht: für den willst du Gericht üben? Er selber verdient ja darüber und darüber Strafe. Fluche Keinem! Gar oft kehren die Flüche auf den Fluchenden und seine Kinder zurück. Alle die Flüche, die David über Joab ausgesprochen, erfüllten sich an seinen eigenen Nachkommen. Haffe auch keinen Nächsten aus Liebe zu einem Nächsten, der ihn haßt. Hassen darf man nur, wenn Gott haßt; oft auch werden die Beiden sich versöhnen, du aber in Feindschaft bleiben, weil deine Feindschaft grundlos war. Sei dir aber kein Mensch zu gering; kein Mensch, der nicht seine Zeit der Bedeutung hättet — Beurteile auch Niemanden nach der schlim» men Seite. Der Mensch sieht nach dem Scheine, Gott nur ins Herz. Kennst du seinen Sinn und seine Gedanken? Beurteile Jeden nach der besten Seite und hüte dein Auge, überall nur auf das Schlechte zu sehen. — Tue gutes nach deinen Kräften, sei es viel, sei es wenig, wenn nur deine Absicht auf gutes gerichtet ist. — Mache dich znm Diener' deine- Herrn und denke: Jeder Mensch nimmt seine Diener in Schutz, geschweige, daß dich der Welten Herr schützen und schirmen werde. t 41 (tj). Erlaube dir nicht die kleinste Sünde; die kleinere bringt dich zur größeren. Erst Übertritt er das Verbot: du sollst nicht hassen, zuletzt % kommt er zum Mord; wie es heißt: wenn Jemand seinen Nächsten haßt k nnd ihm auflauert und über ihn auffteht und ihn erschlägt. (Forts, folgt).

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