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Jüdischer Volksbote · 1911-06-01 · 17 (6.1911) · p. Seite 295

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
17 (6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 295 (sequence 9)
Language
German
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295 doch schnellwüchsiger, und außerdem kannst du die Vorderseite deines Hauses damit beranken. Das jährliche Aufbinden und Ausschneiden macht ja etwas Mühe; aber besser, du bastelst und arbeitest im Garten, als du faulenzst im Wirtshaus. Den Zaun machen wir natürlich auch selbst so hoch, daß den Hühnern das Ueberfliegen gelegt wird; sonst tut ein Draht (aber kein Stacheldraht), in Manneshöhe gezogen, recht gute Dienste. Hinter dem Hause neben dem Stall denke ich mir den Gemüsegarten; der muß mit verdienen helfen und ist besonderer Liebe und Pflege wert. Wir wollen uns vor allem ein paar Regeln merken: 1. Düngen, viel düngen: unser Garten soll nicht nur eine Ernte geben im Jahr; du erwartest auch Vor- und Zwischenernten; also gehörig düngen. Das Gegebene ist in erster Linie der Stalldünger^ am wertvollsten Kuhmist; als Ergänzung kommen in Betracht, Jauche und Kunstdünger, Thomasmehl, Kainit, Chilisalpeter, Ammoniaksuperphosphat und Kalk. 2. Ordentlich graben. Im Herbst wird der Garten soweit er nicht mit Gemüse bestellt, ist, das den Winter über stehen bleibt, ordentlich gestürzt. Dann zermürbt und zerfriert der Boden im Winter, und der Stickstoff der Luft wird gebunden. Je sorgsamer du gräbst und rigolst, um so mehr lockerst du das Erdreich, um so besser können sich die Pflanzen bewurzeln. Auch das Behacken gehört hierher. Jedesmal durchhacken steigert den Ertrag um 20 Prozent. 3. Der Komposthaufen sei deine erste Sorge bei der Änleguug eines Gartens. Als ich früher als frischbackener Dörfler aus der Stadt herauskam, habe ich mich sehr gescheit gedünkt und gemeint, es gehe auch ohne Komposterde. Dann ist mein Gärtchen mit jedem Jahr mehr verarmt, bis ich mich auch zum Komposthaufen bekehrt habe. Der macht sich reichlich bezahlt. Jedes Stückchen Holz, Unkraut, alte Stengel, Stroh, Dünger wird in zwei bis drei Jahren wertvolle Erde, wenn man etwas Sorgfalt auf die Schichtung des Haukens legt. Zweimal im Jahr wird der Haufen umgestochen. Wenn die Erde gut ist, wird mit ihr nachgeholfen, wo's fehlt. Gurken beispielsweise gedeihen vorzüglich in reiner Komposterde; da wird im Beet eine tiefe Rinne gemacht, drei Hände breit und eine Hand tief; dahinein kommt gesiebte Komposterde. Ihr sollt sehen, die Gurken sind das Jahr ganz besonders gut geraten. 4. Jäten ist für unseren Garten das halbe Leben. Wenn du das Unkraut wachsen läßt, wie's will, ist der Garten bald verkommen. Das Unkraut sollen wir stören, wenns in der besten Entwickelung steht. Wir sollen auch nicht müde werden mit Jäten, wenn's auf den Herbst zugeht; denn die Samen von diesem Jahre sind neue Feinde für das kommende.; 5. Das Saatgut für dein Gärtchen kaufe in einem guten Geschäft, soweit du's nicht selber ziehst. Wenn du von herumziehenden Händlern deinen Bedarf deckst, weißt du nicht, was du bekommst. Kauf auch nicht nach schönen Bildern aus der Zeitung; denn das Papier ist geduldig. 6. Unser alter Lehrer sagte immer: Es dauert auch nicht viel länger, wenn man's gleich ordentlich macht: Graben, rechen, Beete ab-

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