Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 17 (6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 292 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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292 jene Mängel — unbeschadet der Bemühungen einiger europäischorganisierter Mädchenschulen — deutlich zu Tage, und es wirdzahlreicher Kräfte bedürfen, um dem Notstände*) abzuhelfen. Auf Anregung des Herrn Schuldirektors Dr. Moses Auerbach in Pethach-Trkwa, des Leiters der dortigen Talmud-Thora- Knabenschule der .Freien Vereinigung", sind die Unterzeichneten daher zu einem Comits zusammengetreten, das die Errichtung von Volks, und wirlschaftsschulen für Mädchen in Palästina in die Wege zu leiten beabsichtigt, und das seine Tätigkeit zum Wintersemester 1910 mit der Eröffnung einer solchen Schule — zunächst der beiden untersten Klaffen — in Pethach- T i k w a bei Jaffa bereits begonnen hat**). Wie der Name unseres Comitss schon sagt, gehen wir von der Tatsache aus, daß der palästinensischen Frau vor allem eine gediegene wirtschaftliche Erziehung, nicht eine schöngeistige oder gar wissenschaftliche Bildung nottut; daß ihre Bildung das Gefühl der Boden st ändigkeit wecken, die Empfindung für Einfachheit, Ordnung und häusliche bezw. landwirtschaftliche Betätigung großziehen und ihr die positiven Kenntnisse vermittelnsoll, deren sie zur praktischen Arbeit in Haus- und Landwirtschaft bedarf. Das Gedeihen der landwirtschaftlichen Kolonisation insbesondere hängt, wie die kolonialen Erfahrungen allerwärts zeigen, von der Mitarbeit der Frauen und Töchter, die bisher in Palästina meist gefehlt hat, in sehr wesentlichem Maße ab. Es ist selbstverständlich, daß diese, sozusagen fachliche Frauenbildung sich nur auf dem Grunde einer elementaren Allgemeinbildung aufzubauen vermag, die den Geist weckt und ihm, ohne die Lust nach fremden Kulturen zu reizen, eine gesunde, dem Milieu entsprechende Kost gewährt. Endlich legen wir, sowohl grundsätzlich, als im Interesse des Gelingens dieses ganzen Erziehungswerks den größten Wert auf eine ausreichende Gemüt und Intellekt ergreifende jüdischreligiöse Bildung, die der werdenden Frau ein lebendiges, jüdisches Pflichtbewußtsein gibt, ihr die Kenntnis ihrer religiösen Pflichten und Ehrfurcht und Verständnis für die Erhabenheit und ewige Aktualität der jüdischen Lehre vermittelt. Nur eine Frauengeneratton, die von einem starken jüdischen Empfinden und Wollen getragen wird, vermag den schweren Aufgaben gerecht zu werden, die das Land seinen Bewohnern stellt. *) Sieh« hierzu: vr. Rah«! Straus in der Zeitschrift.Palästina", Jahrg. 1908 Heft4,Vavir Trietsch a. a. ©. Iahrg. 1910 Heft 8, vr. Nrthur Nuppin in der Palästina-Nummer der .well" 1910 u. a. m. **) 3u Beginn des Sommersemeslers 1911 ist die dritte Klasse eröffnet worden.