Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 17 (6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 290 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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290 Hauche ihres Mundes. — Und Gott ließ ihn den Thron seiner Herrlichkeit ergreifen und breitete schützend seine Wolke über ihn aus. Darauf sprach Moscheh: Was wollt Ihr Engel mit der Thora, die doch nur für Menschen bestimmt ist? Seid Ihr etwa ln Mizraim gewesen, habt Ihr etwa dem Pharao gedient? Wohnet Ihr unter heidnischen Völkern, daß Euch der Götzendienst verboten zu werden braucht? Treibt Ihr Geschäfte und Handel, daß man Euch vor falschen Eiden warnen müßte? Arbeitet Ihr die Woche hindurch, so daß für den Sabbat ein Gebot der Ruhe nötig wäre? Hat ein Vater Euch gezeugt, eine Mutter Euch geboren, daß Ihr sie ehren könntet? Was soll Euch das Verbot des Mordes, des Ehebruchs, des Diebstahls, des falschen Zeugnisses, des bösen Gelüstens — Verbote, die Ihr ja gar nicht übertreten könnt? — Und als Moscheh so gesprochen, da stimmten auch die Engel zu und widersetzten sich der Offenbarung nicht mehr. — Der Widerspruch der Engel gegen die Ueberantwortung der Thora an die schwachen Etdensöhne hatte einen tiefen Sinn Jahrtausende find seitdem vergangen, Jahrtausende lang hat die Thora ihre heilsamen, glückspendenden Segnungm der Menschheit gebracht, und noch immer wird sie nicht gewürdigt. Der Gesetzgeber und Richter der gerechte Gott, der die Sünden bestraft und Uebertretungen ahndet — die Vorstellung ist dem jetzt lebenden Geschlechte nicht behaglich, und man zieht es vor, alles zu leugnen, um ungestört den Eingebungen des Herzens und den dem Irrtum unterworfenen Beobachtungen der Sinne nachwandeln zu können. Aber nicht also soll es sein. Das Fest der Offenbarung mit der Erinnerung an das große und unbestreitbare geschichtliche Ereignis, das es verklärt, überwindet siegreich jeden Zweifel und zieht uns empor zu Gott. Wenn wir nur Gott als den Gesetzgeber unsres Lebens erkennen und demgemäß unser Leben zu gestalten suchen, aus daß wir uns emporheben zu Ihm, so wird Er uns sich als der Allerbarmer, als unser liebevoller Vater offenbaren: (pn mo) o’pStci S« nby .updi und siehe da *n v1?» jnp'i (D’ornn mo). „Und Moscheh stieg empor zu dem strengen Richter, da rief Zu ihm der Ewige, der Allerbarmer". Wie aber sollen wir uns zu Gott erheben? Wenn jemand eine steile Höhe erklimmen will, so muß er sich dazu einen Weg hinanbahnen, so jemand oben an einem Hause oder an einem Turme etwas zu tun hat, so muß er eine Treppe ersteigen, oder ein Gerüst sich bauen. Diese Treppe, dieses Gerüst, die uns zu Gott emporführen, das sind die Gebote des Herrn, die uns von Stufe zu Stufe emporheben. Allem zuvor geht im Judentume die Tat, und der Tat folgt das Verständnis. Daher haben auch unsere Voreltern gesprochen: yoiwi wj», wir wollen tun und gehorchen. Denselben Gedanken drückt auch wohl der Ausspruch der Weisen im Midrasch Rabba zu Schir ha Schirim aus. Dort hejßt es nämlich: