Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 16 (4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 286 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Akibcr. Historische Erzählung von Rabbiner vr. M. Lehmann. - (Fortsetzung.) Unterdeß hatte Akiba die Gunst seines Herrn in. hohem Maße zu gewinnen verstanden. Der junge Mann besaß die herrlichsten Geistesanlagen, die er für den Hausstand seines Gebieters praktisch zu verwerten wußte.. Unter seiner Leitung gediehen die Herden, und die Hirten wagten es nicht, ihre Pflicht zu verabsäumen. Kalba Sabua gewann seinen Diener von Tag zu Tag lieber und verkündete den Ruhm desselben bei jeder Gelegenheit. Nur das Eine gefiel ihm nicht, daß Akiba ein ab-- gesagter Feind der Rabbinen war und von deren Tätigkeit, die er für ganz unpraktisch hielt, stets mit der größten Verachtung sprach. Als Kalba Sabua und alle seine Hausgenoffen um den Tod Rabbi Jochanan ben Sackai's weinten und klagten, blieb Akiba allein gleichgiltig. Rahel war nicht dazu angetan, sich lange der tatlosen Trauer hinzugeben. „Der große Lehrer Israels ist tot", sprach sie zu sich selbst, „es gilt, einen Mann für Gottes heilige Lehre zu gewinnen, der den von uns hinweggenommen einst zu ersetzen im Stande sein wird." Sie ging hinaus zu den Herden, wo sie Akiba zu finden hoffte. Er saß auf einem Hügel und überschaute die Arbeiten der mit der Schafschur beschäftigten Knechte. Als er seine junge Herrin daherkommen sah, erhob er sich und ging ihr entgegen. „Sei mir gegrüßt", sprach rr, „Tochter meines Herrn!. Willst Du der Schafschur beiwohnen, welche in diesem Jahre ganz besonders geeignet ist, die Reichtümer Deines Vaters zu vermehren?" „Ich bin gekommen", antwortete Rahel, „um mit Dir zu reden. Es hat dem allmächtigen Gott gefallen, den größten Mann aus unserer Mitte hinwegzunehmen. Ganz Israel llagt und weint um ihn; nur Du scheinst Dich nicht viel darob zu härmen!" „Was soll ich mich", entgegnete Akiba, „um den Tod eines Mannes grämen, der sein Leben mit müssigen Forschungen verbracht und die Jünglinge Israels verführt hat, sich derselben unnützen Tätigkeit hinzugeben l O, ich Haffe diese Rabbinen! Sie sind voller Hochmut