Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 16 (4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 287 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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287 schließen sich gegen das übrige Volk ab, wie wenn sie aus besserem Teige geknetet wären als Unsereiner. Ein in der Thora Unwissender gilt ihnen kaum als Mensch. Sie reden nicht. mit uns, weil sie fürchten, daß der Speichel des Mundes auf sie spritze und sie verunreinigen könnte; sie essen und trinken nicht mit uns, weil sie behaupten, daß unsre Speisen nicht rein seien. O, schweige mir von diesen Rabbinen, Herrin! Sie haben nur dazu beigetragen, die Zwistigkeiten zu vermehren, die da die Ursache des Unterganges unsres Volkes geworden sind." „Du redest so", antwortete Rahel, „weil Du die Lehre unseres Gottes nicht kennst. Als der allgütige Gott sich einst seinem Volke auf dem Berge Sinai offenbarte, da verkündete er unter Donner und Blitz, in seiner Herrlichkeit und Majestät, die zehn Gebote; dann gab er dem Hause Israel die schriftliche Lehre, die Moscheh niederschrieb, auf daß sie Gemeingut des ganzen Volkes werde; sie liegt aufgeschlagen für Jeden da. Jeder kann darin forschen. Aber die schriftliche Lehre erhält erst Erklärung und Deutung und praktische Erfüllung durch die mündlrche Belehrung, welche Gott dem Moscheh erteilt hat. Moscheh lehrte sie das ganze Volk; sein verzüglichster Schüler war Josua; von Josua empfingen die mündliche Ueberlieferung die Aeltesten, von ihnen die Propheten, von diesen die Rabbinen. Sie siüd die Träger des Geistes der Thora, sie sind die Seele des jüdischen Volkes. Denn, was wäre unser Volk ohne den Geist Gottes, der auf uns ruht und ohne die Erfüllung seiner heiligen Gebote? Siehe, alle Menschen hat Gott erschaffen. Allen ist Er ein liebender Vater, mögen sie Römer oder Griechen, Aegypter oder Parther heißen, mögen sie irgend welchem Volksstamme angehören, selbst wenn sie Götzen dienen und in Sünde und Verbrechen leben. Uns Israeliten aber hat Gott auserwählt aus allen Nationen der Erde, hat uns durchgeistigt mit seinem Geiste und uns geheiligt mit seinen Geboten. Der jüdische Staat ist aufgelöst, das Haus unsres Gottes ist vom Feuer zerstört, kein Opfer sühnt mehr unsre Sünden, und der prophetische Geist ist von Israel gewichen. Nur die Thora ist uns geblieben, und sie wird uns ewig bleiben. Daß sie in ihrer Reinheit, Heiligkeit und Vollkommenheit erhalten werde für alle kommenden Geschlechter, das ist die Aufgabe der Rabbinen. — Wer .weiß, welchen Zeiten wir entgegengehen, welchen Gefahren wir ausgesetzt sein werden! Da müssen Vorkehrungen getroffen werden, daß die Thora nicht vergessen, daß Js-