Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 16 (4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 284 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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284 ■trab manches Geschäft, welches früher trotz Detailreisenben trab Hausierer -florierte, würbe nicht mehr bestehen können, wenn es sich nicht burch bas ■früher verhaßte unb nun zur Notwendigkeit unb Existenzfrage geworbene Detailreisen über Wasser nnb lebensfähig erhalten hätte. So hat trotz erschwerendem Gesetz bas Detailreisen, weil es Selbsthilfe gegen bas Großkapital ist, naturnotwenbig znnehmen müssen. Das Rab ber Zeit rollt unb läßt sich nicht zurückbrehen, bie gemütlichen Großvaterzeiten kommen trotz aller Chikanegesetze niemals wieber. Der beste Stanb für einen Staat sei ber Mittelstanb unb biesen zu erhalten sei Pflicht des Staates, so tönt es in allen Tonarten. Zum Schutze besselben solle» Gesetze geschaffen werben gegen Warenhäuser, gegen Konsumvereine, gegen unlauteren Wettbewerb unb gegxn Hausierer, zum letzteren Stanb ben Detailreisenben mitgerechnet. Zu welchem Staube gehört ber betailreisenbe Kaufmann? Zum Großkapiralisten, bem Mittelstanb ober zu den Kleinen? Dem Kundigen wirb es nicht viel Nachdenken kosten unb er muß sich sagen, ber betailreisenbe Kaufmann gehört bem Mittelstanb an uvb zwar bem guten seßhaften Mittelstände mit stehendem Gewerbetriebe. Es ist daraus ersichtlich, daß ein großer Teil des kaufmännischen Mittelstandes von einem Teil desselben auf's heftigste bekämpft wird, lediglich der unliebsamen Konkurrenz wegen. Sonst haben beide Parteien verschiedene gemeinsame Interessen. Beide sind Feinde der Warenhäuser, die mit ihren Lockartikeln und dem Hineinpfuschen in alle erdenklichen Branchen das ganze Geschäft an sich reißen wollen, deren Mitglieder selbst verdienen, aber bald niemand mehr etwas verdienen lassen, wollen und der Schmutzkonkurrenz, die mit ihren unlauteren Machenschaften den ehrlichen und reellen Handel schwer schädigt. Der Detailreisende, der doch wahrlich nicht zum Vergnügen reist, sondern von früh bis spät arbeitet, um den Umsatz zu erzielen, den ihm sein Platzgeschäft nicht ermöglicht, bildet einen Damm gegen die Überschwemmung von seiten der großkapitalistischen Warenhäuser und Konsumvereine, läßt sich von denselben nicht an die Wand brücken und bleibt durch eigene Tatkraft lebens- und existenzfähig. Ehrliche Konkurrenz, ob dieselbe vom Nachbar oder vom Detailreisenben kommt, muß sich jeder Rechtlichdenkende gefallen lassen, wenn bie Konkurrenz auch unangenehm fühlbar ist. Lebensberufe ohne Konkurrenz gibt es überhaupt nicht. Gute Mittelstandspolitik wäre es nicht, wenn der Staat einen große» Teil des Mittelstandes, lediglich um dem anderen Teil unbequeme Konkurrenz vom Halse zu schaffen, durch weiter einengende Gesetze noch mehr Fesseln anlegen würde. Richtige Mittelstandspolitik verfolgt der betailreisenbe Kaufmann, wenn er sich für sein gutes Recht, ohne Ausnahmegesetze leben zu dürfen, wehrt und an die Bundesregierungen und den Reichstag mit dem Gesuche herantritt, ihn wieder von dem beschämenden und lästigen Wandergewerbeschein zu befreien und ihn wieder wie früher mit einer Legitimationskarte für Handlungsreisende reisen zu lassen. Nun noch einige Worte über die Bedürfnisfrage. Derjenige der detailreisen muß, bejaht die Bedürfnisfrage, der Concurrent, der sich gei