Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 16 (4.1911)
- Date
- 1911-04-01
- Page
- Seite 278 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Schulden komme» läßt. , lleberreicher; Lohn wäre es schon, wenn damit seine Fehler und- Verirrungen ausgewogen würden und er damit vor Gottes Gericht bestehen könnte! Und wäre er der seltene Gerechte, der sein lebelang nicht gesündigt, so käme ihm gleichwohl kein Lohn für seine Guttaten zu; denn lebte er auch tausend Jahre zweimal, es reichte nicht hin, damit auch nur die geringste unter den geringste» Wohltaten zu vergelten, die er von Gott täglich und stündlich empfängt. Daran denke der Mensch, und diene seinem Schöpfer, auch nicht um ins Paradies zu kommen, sondern diene chm aus Liebe uud aus Gehorsam, denn er ist sein Schöpfer und Freuud. 36 (#4). „Nimm keine nichtige Kunde auf!" Das ist die Warnung, keine Bösrede auzuhören und anzunehmen l Klagt dir jemand, den ein anderer in deiner Gegenwart zurechlgewieseu, und der nun aus dem schmerzlichen Gefühl der Kränkung, sich gegen dich über dessen Charakter und Wandel äußert und dir von ihm böse Dinge erzählt; du weißt, wenn er es auch geäußert, so wird er gleichwohl nicht zu andern gehen und auch bri ihnen den Andern verkleinern: so höre ihn wohl an, damit er sein Herz erleichtere; allein tue was du kannst, um ihm eine bessere Meinung von dem Andern beizubringen, sage ihm: siehe der Andere ist dein Freund, meint es gut mit dir, warum äußerst du dich so über ihn rc. Gelingt es dir, gut; wo nicht, obgleich du ihn hattest anhören müssen, so glaube ihm doch nicht und teile eS auch nicht etwa anderen mit, damit auch sie ihn zu begütigen versuche». Wie leicht werden diese Andern seine Bösrede anuehmen, werden vielleicht dem dritten sagen, wie dieser sich über ihn geäußert; da würdest du de» Zwist anschüren. Kommt er aber als Bösredner zu dir, wird ihn auch bei anderen verlästern, so darfst du ihn nicht auhörea, hast ihn mit Entrüstung von dir zu weisen und dich auch bei andern zu bemühen, daß sie ihm mit seiner Lästerrede keinen Glauben schenken. 37. Sprichst du von Jemanden, so sprich nur Gutes von ihm und erzähle nie etwas Nachteiliges von deinem Nächsten. Rühme auch keinen in Gegenwart seiner Feinde. Sie köunen das Lob nicht vertragen und werden dein lobendes Wort sofort mit der tadelnden Gegenrede begegnen: Wie kannst du den rühmen, weil er dies und jenes getan, hat er doch jenes und dies geübt! Rühme keinen Reichen in Gegenwatt eines Reichen, keinen Gelehtteu im Gegenwatt eines Gelehrten! Aber einen Frommen darfst du iu Gegenwatt eines Frommen rühmen; deuu er freut sich, daß dieser ihn an Frömmigkeit überlreffe nud wird sich vielmehr bemühen, ihm ähnlich zu werden, im Sinne Moscheh's, der gesprochen: Wer gäbe, das ganze Volk wären Propheten! 38 (,7). Auch daß der Gerechte strafe, ist nicht gut." Wer über die Gesamtheit Strafe herbeiführt, hält den Messias auf, und obgleich es den Thalmide Chachamim eiugeräumt ist. Bann wegen ihrer Ehren-Kränkung zu verhängen, so ist es doch keineswegs rühmlich, von dieser Befugnis Gebrauch zu machen! Rühmlich ist es vielmehr, das Benehmen des Pöbels zu ignorieren, wie Salomos Weisheit lehtt: Richte dein Herz nicht auf alle-, «aS sie rede». Eo hörte» di« frommen Alten Schmähungen und