Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 15 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 264 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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264 nes verweigerte? — Ich dachte, antwortete jener, du seiest nicht bei Kasse, dein Korn sei nicht verzehntet. Deine Herden und deine Felder seien verpachtet, und als du mir auch Möbel und Betten verweigertest, da vermutete ich, du habest dein ganzes Besitztum dem heiligen Tempel gewidmet. — Fürwahr, sprach mein Vater, du hast das Richtige getroffen; ich wollte durch ein solches Gelübde meinen Sohn Horkinas zwingen, Thora zu lernen. Aber meine Gefährten mißbilligten, was ich getan, und lösten mein Gelübde. Wie du mich zum Guten beurteilt hast, so möge einst der Herr des Weltalls dir ein milder Richter sein. — Mir nun ereignete sich das gerade Gegenteil: ich lebte nur für die Verwaltung meiner Güter, und verlangte von meinen Söhnen, daß sie sich mit demselben Eifer der Landwirtschaft widmen sollen wie ich. Aber mein Sohn Elieser wollte nichts als Thora lernen. Er entlief mir heimlich und wurde einer der vorzüglichsten Schüler unseres großen Rabbon Jochanan ben Sackai." „Gott segne ihn", sagte Kalba Sabua, „er ist der Stolz und die Hoffnung des verwaisten Israel." „Er möchte", sagte Horkinas, „daß alle Welt Thora lerne. Der Aufseher der Herden, den ich dir, o Hausherr, unlängst empfohlen, diente früher bei mir. Als mein Sohn mich vor einiger Zeit besuchte, lernte er dessen Klugheit schätzen und seine bedeutenden Geistesanlagen; er wollte ihn veranlassen, mit nach Jabneh zu gehen und dort zu studieren. Aber der Mann weigerte sich entschieden; er haßt die Gelehrten". Rahel horchte auf. „Sollte mir es gelingen", dachtesie, „diesen Akiba für die heilige Aufgabe zu gewinnen, für die der große Rabbi Elieser ihn nicht zu begeistern vermochte?" III. Rabbi Jochanan ben Sackai war erkrankt; seine Schüler, Rabbi Elieser ben Horkinas, Rabbi Josua ben Chanania, Rabbi Jose Hakohen, Rabbi Simon ben Nesanel, Rabbi Elasar ben Aroch und Rabbi Gamliel begaben sich zu dem kranken Lehrer, um ihn zu besuchen. Als er sie erblickte, fing er an zu weinen. Da sprachen die Schüler zu ihm: „Du großer Lehrer, Israels Leuchte, die Säule der Gotteslehre, dessen Geist Funken sprüht, wie der