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Jüdischer Volksbote · 1911-03-01 · 15 (3.1911) · p. Seite 265

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
15 (3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 265 (sequence 19)
Language
German
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265 Hammer, der da den Felsen zersplittert, warum weinst Du?" Und Rabbi Jochanan sprach: „Wenn man mich vor einen menschlichen König in Gericht führen würde, müßte ich mich da nicht ängstigen? Und nun, da ich im Begriffe stehe, vor den König der Könige, vor den allmächtigen Beherrscher des Weltalls treten zu müssen, vor den unbestechlichen Richter, vor den allwissenden Gott, soll ich da nicht weinen? Wer weiß, welchen Weg man mich führen wird, ob zu des Paradieses Seligkeit oder in der Hölle Abgrund?" Und die Schüler sprachen: „Unser Lehrer, segne uns!" „Möget Ihr stets", sprach Rabbi Jochanan, „Gott so fürchten, wie Ihr die Menschen fürchtet!" „Nicht mehr?" fragten die Schüler erstaunt. „Wenn Ihr Euch der Allgegenwart Gottes stets ■ bewußt sein werdet, so werdet Ihr niemals sündigen,' wie sich ja jeder Mensch schäint, in Gegenwart seiner Mitmenschen etwas Unrechtes zu tun". Unsre Weisen haben Rabbi Jochanan bcn Sackai mit Chiskijahu, dem Könige von Judah, verglichen. Zu den Zeiten dieses Königs brach das Verderben über. Israel herein. Die assyrische Weltmacht vernichtete das' Reich Israel und führte die zehn Stämme in die Gefangenschaft hinweg. Nur dein Gottvertrauen und der Frömmigkeit des Königs Chiskijahu gelang es, einen kleinen Teil des israelitischen Volkes vor der.Vernichtung durch das assyrische Weltreich zu bewahren, und nach erfolgter Rettung suchte Chiskijahu den Bestand des Überrestes in der fleißigen Beschäftigung des Volkes mit der göttlichen Lehre. In ähnlicher Weise ward auch Rabbi Jochanan beit Sackai ein Retter seines Volkes. Als die nationale Herrlichkeit Juda's zusammenstürzte und der heilige Tempel in Trümnter sank, da war es Rabbi Jochanan ben Sackai's eifrigste Sorge, die Lehre unseres Gottes seinem Volke zu erhalten. - Und nun war er tot, der große Geistesheld, nun war sie gesunken, die mächtige Säule, welche den Überrest Israels gestützt hatte! Und ganz Israel betrauerte und beweinte den großen Lehrer; es war, wie ivenn der heilige Tempel aufs Reue zerstört worden wäre. Die Trauerkundc drang auch in das Landhaus des reichen Kalba Sabua; namentlich wurde Rahel, die einzige Tochter des reichen Mannes, tief davon ergriffen. Sie war eine begeisterte Tochter unseres Volkes. Schön

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