Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 15 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 261 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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261 Akivcr. Historische Erzählung von Rabbiner Dr. M. Lehmann. - (Fortsetzung.) „Nicht doch", entgegnete Papus, „ich verabscheue die Götzen Edoms, und ich würde lieber sterben, ehe ich einen Stein werfen möchte nach dem Mercur, wie es ihr törichter Götzendienst erheischt. Aber es gibt tausend andere Dinge, in Bezug auf welche wir unsere Eigentümlichkeiten abstreifen könnten. Den Glauben an den einzigen Gott müssen wir festhalten und im übrigen müssen wir Römer werden". Eine peinliche Stille trat ein; man verstand nicht recht, was Papus sagen wollte, und deshalb erwiderte ihm Niemand. Da erhob sich Rahel und sprach: „Gestatte mir, o Gastfreund meines Vaters, daß ich Deiner Rede entgegentrete. Zwar bin ich nur ein unwissendes Mädchen, dem es vielleicht nicht geziemt, in Gegenwart erfahrener Männer seine Meinung auszusprechen; ich dachte, betagte Männer mögen reden; allein da ich sehe, daß sie Dir gegenüber schweigen, so muß ich wohl meine Gesinnuug aussprechen. Wie, Papus, Du verlangst, Israel soll seine Eigentümlichkeiten aufgeben im Strome der Völker, soll nichts festhalten als den Glauben an den einzigen Gott und im übrigen werden wie die Nationen rings umher? Das sei ferne von uns! Durch die Zerstörung des Heiligtums, durch die Auflösung der Bande der Nationalität ist Israels Zukunft nicht zerstört worden. Wir sind und bleiben das Volk Gottes,-das Er aus Egypten erlöst hat, die Nachkommen Abrahams seines Freundes, die Kinder Jizchaks, der sein Leben hat hingeben wollen.für Gott, die Sprößlinge Jacobs, den Gott dem Esau hat vorgezogen. Und wenn uns Rom Alles geraubt hat - die Lehre unseres Gottes hat es uns nicht nehmen können. An diese müssen wir uns um so enger anschließen, da das Heiligtum in Trümmern liegt und kein Opfer unfern Sünden Sühne bringt. Wie, wir sollten «blassen von dem ewigen Leben, das Gott gepflanzt hat in unsere Herzen, wir sollten uns mischen unter die Völker ringsumher, sollten für die hohen Tugenden, die Gott uns zum Erbe gegeben hat, die Laster der Heiden eintauschen? Wenn wir auch durch unsre Sünden den Fall des Hei-