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Jüdischer Volksbote · 1911-03-01 · 15 (3.1911) · p. Seite 259

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
15 (3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 259 (sequence 13)
Language
German
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259 Der Cempelberg. Von I. Schwarz. Der Berg Morijah, der sich über das Kidronthal, wohin er steil abfällt, 141 und über die Meeresfläche 2280 Fuß erhebt, erscheint nur noch als Berg an der Ost« und Südseite, von welchen beiden Seiten er vom Kidron und Siloa-Tal begrenzt wird. Von der West- und Nordseite hingegen ist er dem übrigen Boden beinahe ganz gleich. Der Berg, bildet nur oben eine ebene Fläche, welche Llvkow hamikdasch, d. h. die Stelle des ehemaligen Tempels, Arabisch Al Cbarim, das Heilige, genannt wird. Dieselbe ist von den vier Seiten mit einer hohen Mauer und anderen Gebäulichkeiten umschloffen. Die östliche und südliche Mauer dieser Fläche ist zugleich die Stadtmauer, die westliche ist der bekannte ehrwürdige Ueberrest des heiligen Tempels, die sogenannte Chothal ha-Maarabi, die westliche Wand, welche 60 Fuß hoch ist und 23 Steinschichlen hat. Die unteren neun Schichten bestehen aus großen, 3—4 Ellen langen, 2 Ellen breiten und ebenso hohen Steinen, und es scheint der obere Teil derselben einer späteren Zeit anzugehören; er ist vielleicht erst vom Khalifen Omar erbaut. — Diese Mauer wird noch die Klagemauer genannt, indem dort viele Tausende unserer Brüder den Fall Jisraels beklagen und beweinen. Rührend ist zu sehen, wie alle Israeliten ihr trauerndes Haupt am Fuße dieser geheiligten Mauer beugen, das tränende Auge gen Himmel richtend und schluchzend das: „Wie lauge noch, o Gott!" stöhnen. Diese heilige Stätte wird von den Reisenden aller Nationen besucht und nie wird und kann sie einer ungerührt verlaffen. Ja, was dort gefühlt wird, kann nicht beschrieben werden. Man sieht im Geiste die ehemalige Erhabenheit des israelitischen Volkes, fühlt so recht , lebendig den Druck in der Gegenwart und zugleich ahnt die Phantasie die zukünftige Größe. Begeistert möchte man unwillkürlich ausrufein „Wahrlich, dieses ist der Eingang zum Himmel!" — Alle Feier- und Festtage wird diese Mauer von allen jüdischen Bewohnern Jeruschalajims besucht, so daß zuweilen der große Raum am Fuße derselben, so angefüllt ist, daß nicht nicht alle zu gleicher Zeit den Gottesdienst abhalten können. Ebensd wird zu derselben jeden Freitag Nachmittags, aber in geringerer Anzahl, und von einigen fast tagtäglich hingewallt. Von den. Mohamedanern wird Niemandem darüber etwas in den Weg gelegt^ denn man hat ein altes Dokument (Firman) vom Sultan in Konstanrinopel in Händen, daß uns der Zutritt zu dieser Mauer nie versagt werden dürfe. Es wird aber auch dafür eine, zwar ganz unbedeutende, Abgabe an die Pforte entrichtet. Beinahe in der Mitte dieser Fläche des Tempelplatzes befindet sich ein 14 Fuß hohes Quadrat, eine Plattform, zu welcher auf den vier Seiten Treppen hinaufführen, worauf die große Moschee Al Laodra, d. h. harter Stein, im Jahre 4397 (637) vom Khalifen Omar erbaut wurde. Dieses achteckige Gebäude ist 60 Fuß lang, h at auf vier Seiten Eingänge und Vorhallen und auf jeder dieser Seiten sechs, an den andern vier Seiten

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