Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 15 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 258 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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258 du hättest ihm gerne Besseres gegeben, wenn du es nur vermöchtest. Davon heißt es: »Reiche auch dem Hungrigen dein Herz!" Und am Morgen, wenn dein Gast dich verläßt, so gieb ihm etwas mit auf die Reise. Hätte Jonathan David mit Brot beim Abschied versehen, eS hätten sich nicht die Ereignisse so verkettet, daß die Priesterstadt Nob ansgeschlachtet und Saul und Jonathan in Strafe geraten wären. Davon läßt sich wahrlich sagen: »Mancher Mann versündigt sich schwer um ein Stückchen Brot." 32 sz,). »Segne meine Seele den Herrn und all meine Eingeweide seinen heiligen Namen!" Auch die Eingeweide des Menschen sollen Gott segnen. Darum entleere man sie, ehe man im Gebet vor Gott hintritt, nnd beim Beten sei der ganze Körper in Bewegung, denn es heißt: alle meine Glieder sprechen: „Gott, wer ist wie du! »Hüte deinen Fuß," heißt es, »wenn du ins Gotteshaus gehest", daß deine Füße nicht beschmutzt sind. Es heißt auch »Schicke dich an, Israel, deinem Gott entgegen!" Wenn jemand vor einen sterblichen König kommt, wird er nicht, so wie er von der Straße kommt, vor ihn hintreteu, sondern sich also kleiden, daß auch seine Kleidung Ehrerbietung und Ehrfurcht ausdrückt. Wir, die wir vor den Herrn der ganzen Erde, sein Name sei gesegnet, hintreten, um wie viel mehr müßten wir bedacht sein, in dieser Ehrerbietung und Ehrfurcht entsprechender Kleidung zu erscheinen. 33 (zg). '151 apSPS "0, Gott hat uns jedes Nichusch verboten, und leider gibt es heutzutage so Biele in Israel die auf Nichusch halten und Zeilen wählen. Da sagen sie: an Mozee Sabbath darf man keine Eier effen. Wenn ein Kranker oder eine Wöchnerin im Hause ist, die noch in den ersten neun Tagen ist, darf man kein Feuer zweimal in die Hand nehmen, und was der Dinge alle mehr sind, die man nicht alle aussprechen kann, und übertreten damit das Verbot unseres Herrn. Ein anderes, viel verbreitetes Nichusch ist, daß, sie wenn sie ein aufrecht brennendes Kohlenseuer sehen, sagen, wir bekommen einen Gast; wenn man es mit Waffer löscht, da fällt der Gast iu's Wasser re. rc. Wehe ihnen, die sich solche Dinge erlauben! Wie viele Verbote übertreten sie nicht DTlVflpip* ,13^>rri6 und nicht nur dies, sondern 'sie strafen auch das Gotteswort Lügen, das bezeugt '3! Die jenigen die, wenn sie Kopfschmerzen haben geloben nichts mehr von einem Kopf zu effen, oder wenn ihnen ihre Eingeweide schmerzen, keine Eingeweide mehr effen zu wollen geloben, all dergleichen ist "niogn grn vielmehr vertraue auf Gott, der wird dich heilen. Diejenigen ferner, die eine Mizwa zu tun haben, z. B. ihr Kind zuerst dem Unterricht zu übergeben, oder sonst eine Mizwa zu unternehmen und sprechen: wir wollen bis zum Neumond warten, obgleich dies kein Nichusch ist, so ist es doch nicht der gute, rechte Weg. Wer weiß, ob er den Neumond erlebt, so kann er sterben, und hat die Mizwa nicht erfüllt. Kurz, daran halte dich: Sobald dir die Erfüllung einer Mizwa zu Händen kommt, erfülle sie sofort und verschiebe sie nicht. Denke an das Wort der Weisen: „Laß keine Mizwa gesäuert werden!" d. h. verschiebe keine. (Fortsetzung folgt.)