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Jüdischer Volksbote · 1911-03-01 · 15 (3.1911) · p. Seite 256

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
15 (3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 256 (sequence 10)
Language
German
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256 27 ( 0). „Der Fromme ißt um sich zu sättigen, der Nichtfrommen Bauch hat nie genug". Wie der Weise an seiner Weisheit und Wisienschaft zu erkenneu ist und sich damit von den übrigen Menschen unterscheidet, so soll sich auch seine Weisheit in all seinem Tun erkennbar machen, in seinem Essen und Trinken, in geschlechtlichem Leben und Bedürsnißbefriedigung, in seinem Gehen und Stehe», seinem Reden und Handeln; alles, was er tut, soll höchst anständig und gemeffen sein. Im Esien z. B. wird er nicht Alles ohne Wahl und Maß verschlucken, sondern er ißt nur solche Speile, die für seine Constitution am entsprechendsten ist, und auch davon ißt er nicht mehr als nötig, sondern ißt sich nur etwa drei viertel satt, und wenn er ißt und trinkt, ist seine Absicht nicht nur, ein starker, gesunder Mensch zu werden, sondern sich jene Kraft, Gesundheit und Heiterkeit zn erhalte», die notwendig ist um Gott zu erkennen und zu verehren. Es ist ja unmöglich irgend wissenschaftlich nachzudenken, wenn man krank ist, oder Schmerz hat. Und ebenso wünscht er sich nicht Kinder, damit diese ihm bei seiner Arbeit und seinem Geschäft helfen, sondern damit er seinen Sohn Thora lehren und vielleicht seiner Nation einen Weise» erziehen könne. Wer in dieser Weise lebt, dient Gott sein Leben lang, selbst wenn er sein Geschäft betreibt, und das ist, was jener von Salomo gesprochen, kurze, aber fast das ganze Gesetz bedingende Satz bedeutet: lüjn „in allen deinen Wegen erkenne Ihn!" 28 (ji). Man darf sich keine unwahre Höflichkeit und erheuchelte Freundlichkeit angewöhnen. Sei nicht eins mit dem Munde und ein anderes mit dem Herzen, sondern, wie dein Wort sei deine Gesinnung, und die Gesinnung des Herzens spreche sich mit der Lippe aus. njn Meinungs-Diebstahl ist gegen Jedermann, und auch gegen den Nichtjuden ein Verbrechen. Wenn Jemand, z B. indem er einen Nichkjudeu grüßt, eine Schmähung aussprechen würde, während der Gegrüßte meinr, er habe ihm etwas Freunliches gesagt, der. beginge eine große Sünde, denn es gäbe keinen größeren Meinungs-Diebstahl als diese»! So darf man auch Niemand mit Einladungen überhäufen wenn man weiß, daß sie doch nicht angenommen werden können,Geschenke senden, von denen man weiß, daß er siedoch nicht annehme, kein Faß anstechen, das man ohnehin geöffnet hätte, wenn der Gast meint, es geschehe ihm zu Ehren, und so alles Aehnliche. Auch nur Ein Wort nicht gemeinter Freundlichkeit, ist Genewath Daath und unrecht. Vielmehr wahrer Lippe, geraden Sinnes und von jeder Krümme und Tücke fern, reinen Herzens sei der Mensch, wahr und aufrichtig in allen seinen Beziehungen. 29. (5,, 52). Sei nicht von vielen Worten; jage nicht nach Witz, Spott und vielem Scherz. Denn Scherz und Leichtsinn gewöhnen den Menschen zur Sünde. Sei auch nicht traurig und verdrießlich, sondern komme Jedem heiter und freundlich entgegen. Habe nicht übertriebene Wünsche, strebe nicht nach vielem Reichtum; aber sei auch nicht faul und müßig, sondern genügsam und fleißig, dir Einiges zu erwerben und dich mit der Thora zu beschäftigen. Das Wenige,

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