Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1911-03-01 · 15 (3.1911) · p. Seite 254

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
15 (3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 254 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4903180-5965939-5965968--325-4903483
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I 254 1000—1500 Mark gewinnt. Außerdem hat die Beschäftigung im landwirtschaftlicheu Berufe vom hygienische» Standpunkte auS einen unschätzbaren Wert speziell für unsere jüdischen Kreise; sodaß eS auch für unsere Frauen nud Mädchen, die in der glücklichen Lage sind, in Feld nnd Garten arbeiten zu können, viel, viel gesünder ist, sich hier zu beschäftigen, alr feine Handarbeiten zu machen. — Um nun auch solchen Kreisen, denen es aus Mangel au Mitteln unmöglich ist, Grund und Boden zu erwerben dennoch neben dem Hauptberufe einen weiteren Nebenverdienst zu ermöglichen, ist der Vorschlag gemacht worden, eine jüdische BodkUenoerdsgniofleuschast ins Leben zu rufen, die den Zweck haben soll, in jüdischen Landgemeinden, wo dies möglich ist, Grund und Boden zu erwerben und diese» gegen eine geringe Pacht, die für die Pächter die größten Vorteile haben soll, an unsere jüdischen Brüder abzugeben. In eingehenden Beratungen wurde beschlossen, diesen Plan weiter zu verfolgen und eine Umfrage an alle jüdischen Landgemeinden ergehen zu lassen, ob dieser Gedanke ausführbar ist und ob evntl. Reflektanten in genügender Zahl vorhanden sind. Gleichzeitig wurde der Versuch empfohlen, durch Einführung von Haosilldustrik solchen jüdischen Frauen und Mädchen einen Verdienst zu verschaffen, die sonst gezwungen sind, als Köchinnen, Verkäuferinnen usw. in die Städte zu gehen. So angenehm der Beruf einer VeMuferin oder Contoristin auch scheinen mag, so ist er doch von großem Nachteile für Judentum und Judenheit; denn herausgerissen aus Haus und heimatlichem Boden, verlieren die Mädchen häufig jeden religiösen Halt, sind oft unabsehbare» Gefahren und Versuchungenausgesetzt, ja leicht geneigt Mischehen eiuzugehen. Ersparnisse zu einer etwaigen späteren Mitgift zu machen, ist fast vollständig ausgeschlossen infolge der großen Bedürfnisse, die das Stadtleben nun einmal mit sich bringt. Es ist daher viel aussichtsvoller, durch Hausindustrie sich 40—50 Mk. monatlich zu verdienen und zu sparen, als in der Htadt als VeMuferin oder in sonst einem Beruf eben nur so viel zu verdienen als man für's Leben braucht. Wir haben daher die Absicht durch Einführung von Hausindustrie soviel wie möglich zur Besserung der wirtschaftlichen Lage unserer jüdischen Brüder beizutragen und hoffen, wenn es auch kleine Mittel sind, mit Gottes Hilfe wenigstens das unsrige zu tun, um der für die jüdische Gesamtheit s» überaus nachteiligen Landflucht entgegenzuwiMn. . Wir bitten Sie nun zunächst, den mitfolgenden Fragebogen der sich auf das Notwendigste beschränkt, recht genau auszufüllen und uns zurücksendrn zn wollen und begrüßen Sie Hochachtungsvoll Commission für ländliche Wohlfahrtspflege I. A. Louis Kahn, Vorsitzender.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.