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Jüdischer Volksbote · 1911-03-01 · 15 (3.1911) · p. Seite 253

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1911
Issue
15 (3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 253 (sequence 7)
Language
German
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253 «in jüdisches Mädchen heiraten, wodurch wiederum ein großer Teil unserer jüdischen Mädchen in Stadt und Land gewungen sind, ledig zu bleiben. Die »Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", die älteste jüdische Gesamtorganisation in Deutschland, die nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Lande Tausende aus allen Gesellschaftskreisen zu ihren Mitgliedern zählt und deren Streben es ist, die Liebe und Treue zur Religion der Väter allüberall zu wecken, hat die verhängnisvolle Bedeutung der Landflucht für das Hudentuni seit langem erkannt. Sie hält die Bekämpfung der Ursachen der Landflucht für eine der wichtigsten Aufgaben der jüdischen Gegenwart und hat eigens zur Lösung dieser Aufgabe die Unterzeichnete Commission für l iiii d - liche Wohlfahrtspflege ins Leben gerufen, der etwa vierzig auf dem Lande wohnende und daher mit den Verhältnissen vertraute Männer angehören. Unsere Commission hat seit ihrem Bestehen bereits auf den verschiedensten Gebieten der ländlichen Wohlfahrtspflege gearbeitet und Gttlob manchen erfreulichen Erfolg erzielt. So sind z. B., um nur eines zu nennen, auf unsere Veranlasiung jüngst sämtliche preußische Eisenbahndirektionen seitens des Herrn Ministers angewiesen worden, Eingaben der jüdischen Viehhändler, die des Sabbathts wegen Sonntag früh oder nachts ihr Vieh zu verladen wünschen, soviel wie nur irgend möglich zu berücksichtigen. In der Erleichterung und Vermehrung der Erwerbsin ö g l ich k e ite n auf dem Lande sehen wir indessen das Hauptmittel, um den Zug nach der Stadt aufzuhalten, umsomehr, als in den Städten die Erwerbsverhältnisse immer schwieriger werden. Es haben daher in verschiedenen Sitzungen der „Commission für ländliche Wohlfahrtspflege" eingehende Beratungen stattgefunden, ob nicht durch Ermöglichung einer Beschäftigung mit der L a n d w i r t s ch a ft i in Nebenberufe einem großen Teil unserer jüdischen Landbevölkerung noch ein erheblicher Nebenverdienst zu verschaffen wäre. Es ist dieser Gedanke nicht so ohne weiteres abznweisen, wenn wir bedenken, daß durch den starken Geburtenüberschuß in Deutschland, Grund- und Bodenwert stets steigen und durch das Wachstum der Bevölkerung auch eine stets größere, dadurch verteuernde Nachfrage nach Lebensmitteln entsteht. In der Tat haben schon viele Versuche ergeben, daß z. B. Lehrer und Beamte nebenbei durck Obst und. Gemüsebau und Bienenzucht sich Nebeneinnahmen von Mk. 500 — 1000 jährlich verschafften. Nun gibt es viele Viehhändler und Kleinhändler, die fast jeden Abend zu Hause sind und über manche freie Stunden, ja oft sind es Tage, verfügen, während welcher sie im Verein mit Frau und Kindern einer kleinen landwirtschaftlichen Nebenbeschäftigung sich widmen können, die mit Verständnis und Eifer betrieben, einen ganz hübschen Nebenverdienst einbringt. Es sind uns Fälle bekannt, in denen z. B. ein Klempner, der nebenher «inen kleinen Laden mit Spezereiwaren führt, außerdem durch Gartenbau, Obstkultur und Bienenzucht eine jährliche Nebeneinnahme, von ca.

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