Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1911
- Issue
- 15 (3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 252 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Bodenkultur und fiausiudustrie in der indischen Landbevölkerung Unsere Commission versendet dieser Tage folgendes Rundschreiben an die jüdischen Landgemeinden: Der mit dem Niedergang der religiösen Pflichttreue Hand in Hand gehende Verfall des jüdischen Stammes, wie er sich in Geburten-Abnahme, Mischehe, Taufe, Geisteskrankheiten und Selbstmorden immer deutlicher auch in Deutschland äußert, erregt die Besorgnis aller denkenden Juden. Eine der Hauptursachen der angeführten, höchst bedauerlichen Erscheinungen ist aber, wie statistisch nachweisbar, neben dem Nachlaffen der Gesetzestreue die Landflucht, die namentlich in jüdischen Kreisen, seit etwa 40 Jahren sich geltend macht, die kleinen Landgemeinden ihrer Mitglieder allmählich beraubt und den größten Teil unserer Glaubensgenosien den verderblichen Einflüflen des Großstadtlebens aussetzt. Die der Landflucht zu Grunde liegenden Ursachen sind aber kurz gesagt, folgende: 1. Die Eltern, die aus dem Lande Vermögen erworben haben, ziehen entweder selbst in die Stadt, oder schicken ihre Kinder in die Städte, um diese dort anderen Berufen zuzusührcn, was im Grunde genommen, eigentlich unverständlich ist, wenn man bedenkt, daß oft auf diese - Weise unsere Kinder eine ruhige gesicherte Existenz, die sie bei Uebernahme des väterlichen Geschäftes auf dem Laude haben würden, aufgeben und einer unsicheren, viel größere Kämpfe erfordernden Zukunft entgegensehen. Diese Erfahrung ist unendlich häufig gemacht worden und schon vieles auf dem Lande sauer verdientes und erspartes Geld ist auf diese Weise durch Söhne und Schwiegersöhne in den Städten verloren gegangen. 2. Viele Mädchen vom Lande, besonders diejenigen, die eine größere Mitgift erhalten, glauben, sehr zu Unrecht, nur in der Stadt sich glücklich verheiraten zu können. Die Eltern wünschen ihren Kindern eine bessere Schulbildung in Realschulen und Gymnasien. So erstrebenswert diese höhere Schulbildung, an und für sich ist, so wird sie gerade in jüdischen Kreisen viel zu sehr überschätzt; denn auch heute noch ist ein großer Teil, vielleicht der größte, der tüchtigsten Geschäftsleute, Erfinder rc., aus der Volksschule hervorgegange», während andererseits durch die übergroßen geistigen Anstrengungen, denen die Jugend in den höheren Schulen ausgesetzt ist, schon früh Kraft und Gesundheit leidet und im kräftigste» Mannesalter Nervosität, Abspannung etc. sich geltend machen. Auch für die Verheiratung unserer Töcbter auf den, Lande, wie in den Städten, ist es sehr nachteilig, wenn die männliche Jugend nach den Städten zieht, denn durch die Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse in den Städten gelangen von 100 jungen Leuten nur ca. 50 zur Gründung einer eigenen Familie. Davon heiraten ca. 20 eine Nichtjüdin, sodaß nur 30 °/0 der jungen Leute