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Jüdischer Volksbote · 1910-12-01 · 14 (12.1910) · p. Seite 247

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
14 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 247 (sequence 19)
Language
German
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247 „Weise ihm ein Zimmer an, meine Tochter, und sorge, daß er gut bedient werde. Auch gib Befehle, daß dem Gastfreunde zu Ehren ein reiches Mahl hergerichtet werde. Bringe ihm meine Grüße und entschuldige mich, daß ich ihn jetzt nicht empfangen kann; ich werde mich nachher auf sein Zimmer begeben und ihn dort willkommen heißen". Rahel entfernte sich. „Es ist der Sohn meines Jugendfreundes", sagte Kalba Sabua, „bestimmt, der Gatte meiner Tochter zu werden, vorausgesetzt, daß die beiden jungen Leuten Gefallen aneinander finden. Und nun, Akiba, nenne mir die Bedingungen, unter denen Du in meine Dienste zu treten bereit bist". „Was soll ich Dir, o Herr", entgegnete Akiba, „Bedingungen stellen? Mögest Du meine Dienste nach Verhältnis meiner Leistungen lohnen; ich vertraue Dir, daß Du meinen Lohn nicht zu gering bemessen wirst". „Du gefällst mir", entgegnete Kalba Sabua. „So ernenne ich Dich denn zum Aufseher über alle meine Herden und Hirten. Du hast dafür zu sorgen, daß die Hirten die rechten Weideplätze aufsuchen, daß sie nichts stehlen und nichts veruntreuen, daß die Schafschur zur rechten Zeit geschehe und daß die Wolle in meine Speicher abgeliefert werde. Du hast den Verkauf des Viehes zu besorgen, das zum Verkaufe sich eignet, und die Stücke auszulesen, die für meinen Haushalt geschlachtet werden sollen. Bist Du des jüdischen Gesetzes kundig?" „Nein, Herr; ich kenne Nichts als was ich aus der Geschichte unseres Volkes durch die Erzählungen Anderer erfahren habe. Nie bin ich angehalten worden, in der Lehre Gottes zu forschen. Wozu auch? All die großen Schriftgelehrten haben die heilige Stadt nicht vom Untergange zu retten vermocht!" „Sprich nicht so! Die Schriftgelehrten waren nicht schuld an dem Untergange der heiligen Stadt. — Ich hätte, wenn Du ein Gelehrter wärst. Dir die Funktionen des Schlachtens übertragen. So muß ich davon absehen. Folge mir, ich will Dich meinen Dienern vorstellen". II. Kalba Sabua hatte zu Ehren seines Gastes, der sein Schwiegersohn werden sollte, ein großes Gastmahl Herrichten lassen; einige Freunde aus der Nachbarschaft

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