Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 14 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 246 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Um diese Zeit geschah es, daß Kalba Sabua eines Aufsehers bedurfte, der die Oberaufsicht über seine Herden und Hirten führen sollte. Der reiche Gutsbesitzer war der großen Ausgabe nicht gewachsen, alles zu übersehen, Ordnung zu halten und sich - vor Diebstahl und Veruntreuung zu schützen. Kein Sohn stand ihm helfend zur Seite, und deshalb war er gezwungen, einen Fremden in das Haus zu nehmen, der da der eingerissenen Untreue Schranken setzen sollte. Schon Mancher hatte sich gemeldet, aber Keiner hatte bis jetzt das Vertrauen des Hausherrn gewinnen können. Da trat eines Tages ein Jüngling vor ihn hin, der ein Empfehlungsschreiben vom Nachbar Horkinas brachte. Nachdem Kalba Sabua das Schreiben gelesen hatte, sprach er zu dem demütig vor ihm stehenden Jünglinge: „Dies Schreiben rühmt Deinen Fleiß, Deine Treue, und Deine Ehrlichkeit. Noch mehr empfiehlt Dich Deine männliche Gestalt, welche Kraft und Geschicklichkeit verheißt. Wie ist Dein Name?" „Akiba nennt man mich", antwortete der Jüngling; „mein Vater hieß Joseph und mein Großvater Josua; wir stammen aus einem vornehmen, heidnischen Geschlecht. Sisra, den einst Joel erschlug, der Feldherr des Jabin, des Königs von Chazer, war der Ahnherr unserer Familie. Mein Großvater kam mit der Königin Helena nach Jerusalem und trat zum Judentum über. Meine Eltern verloren bei der Zerstörung Jerusalems Leben und Vermögen. So bin ich gezwungen, in dienender Stellung mein Brod zu suchen". „Du sprichst gut", entgegnete der Hausherr. „Welchen Lohn verlangst Du?" In diesem Augenblicke trat Rahe! in das Zimmer. „Rahel, mein Kind", rief ihr der Vater entgegen, „was wünschest Du?" Akiba hatte sich bei diesen Worten des Hausherrn der Eintretenden zugekehrt. Er war überrascht von der Schönheit des Mädchens und sprach in seinem Herzen: „O, könnte ich doch antworten wie einst Vater Jakob: Ich will Dir sieben Jahre dienen um Deine Tochter Rahel!" Auch Rahel blickte mit Wohlgefallen auf den Fremden; doch rasch wendete sie sich ihrem Vater zu und sprach: „Ich wollte Dir melden, mein Vater, daß der erwartete Gastsreund Papus, der Sohn des Judab^angekommen ist". /