Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 14 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 245 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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245 Landschaft von bewundernswürdiger Natur und Schönheit", sagt Josephus, „streckt sich an dem See Genezaret hin. Der fette Boden derselben ist mit verschiedenen Baumarten bepflanzt, und verschmäht, bei seinem milden Klima, das den verschiedenen Gewächsen anpassend ist, kein Gewächs seiner Anbauer. Nüsse, eines von den Gewächsen, welche sehr die Kühlung lieben, grünen da in zahlloser Menge; auch sind, hier Palmen, die durch die Hitze gut Vorkommen, nächst diesen Feigen und Oliven, welchen schon ein gelinderes Klima zusagt. Man möchte dieses einen Wettstreit der Natur nennen, die fast mit Gewalt an einen Platz hinsammelte, was sich zu widerstreiten scheint, so wie einen angenehmen Wettkampf der Jahreszeiten, wovon gleichsam sich eine jede dieser Landschaft, statt der andern, anzumaßen suchte. Sie nährt indessen nicht bloß, wider alle Erwartung, verschiedenes Obst, sondern erhält es auch lange. Die vorzüglichsten Früchte wenigstens, Trauben und Feigen, reicht sie zehn Atonale ununterbrochen dar. Die übrigen Früchte folgen einander wechselsweise das ganze Jahr hindurch. * In dieser fruchtbaren Gegend befand sich das prachtvolle Haus des reichen Kalba Sobua, umgeben von Aeckern und Weinbergen, von Dattelpalmen und Olivenhainen. Der Besitzer dieses Hauses und all dieser Länderssien hatte auch zahlreiche Heerden, die von seinen Knechten bis auf die Weideplätze an den Ufern des Jordans geftchrt wurden. Auch ein Haus in Jerusalem hatte Kalba Sabua besessen. Als Bespasian die Belagerung der heiligen Stadt begann, war er einer jener drei Männer gewesen, welche die belagerte Stadt auf Jahre hinaus mit reichen Vorräten versorgt hatten. Aber die Eiferer hatten die Vorratshäuser verbrannt, um die Belagerten zum Kampf auf Leben und Tod zu reizen. Kalba Sabua betrauerte das Los der heiligen Stadt gar sehr. Durch schwere Geldopfer war er dem Geschicke der Aechtung entgangen und hatte sich nun auf seinen Landsitz zurückgezogen, wo er die Bebauung seiner Felder und Weinberge beaufsichtigte. Ihm blühte eine einzige Tochter, die Erbin seiner großen Güter. Rahel war, wie die Stamm-Mutter dieses Namens, schön von Gestalt und schön von Ansehen; aber schöner noch war der edle Geist, der sie beseelte und wertvoller als alle Schätze ihres Vaters war das großmütige Herz, welches in ihrem Busen schlug.