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Jüdischer Volksbote · 1910-12-01 · 14 (12.1910) · p. Seite 241

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
14 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 241 (sequence 13)
Language
German
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241 liegt gleiche Pflicht hinsichtlich sündhafter Gedanken und Gemütsregnngen wie Zorn, Feindschaft, Neid u. dgl. ob. Ja die Rückkehr von diesen ist noch schwerer als von bösen Handlungen, sobald sie zur Gewohnheit geworden, von ihnen heißt es zunächst: es verlasse der Böse seinen Wandel. 21 (»t-zg). Bedenke, wie schwer die Sünden wiegen, die mit der Zunge geübt werden und übe dich im Schweigen. Man sollte nur von Gegenständen der Weisheit oder von Dingen reden, die zu den Bedürfniffen des Lebens gehören. Raw, Rabbenu Hakkadosch's Schüler soll in seinem ganzen Leben kein unnützes Wort gesprochen haben. Jedes unnütze Wort ist eine Versündigung gegen das Gebot: von ihnen, den Worten der Lehre sprich, aber nicht von anderen Dingen. Und selbst bei sonst nötigen Veranlassungen sprich möglichst wenig; auch in den Lehre der Thora-Wissenschaft suche mit Wenigem Viel zu sagen. Immer, so lehren die Weisen, lehre man die Schüler in möglichster Kürze. Viel der Worte und wenig Inhalt ist die Weise der Toren, wie es heißt: Der Toren Stimme erkennt man an vielem Reden. Der Weisheit Zaun heißt Schweigens Darum antworte nicht rasch und sprich nicht viel und unterrichte ruhig und in geordneter Rede, sei nicht laut und weitschweifig. Die Worte der Weisen werden in Ruhe vernommen. Schweigend gelingt es dir Gott im Herzen zu fassen. Wer aber unaufhörlich schwatzt, gewinnt den Augenblick nicht wo er seinen innern Sinn auf's Göttliche richte. Schweigend wächst deine Ehrfurcht vor Gott. Jedes laute Wort schwächt diese Ehrfurcht, denn du vergissest vor wem du stehest. Der Blinde wird auch in Gegenwart des Königs furchtlos fortschwatzen, denn er sieht den nicht, vor dem er sich fürchten sollte. Wer aber ans Ehrfurcht vor der steten Gegenwart Gottes schweigt, wird sobald nicht sündigen. Wer mehr spricht, als deukr, den übermannt sein Wort; wer mehr denkt, als spricht, bleibt seines Wortes Herr: Doch giebt's eine Zeit zu schweigen und eine Zeit zu reden. Schmäht man dick, beleidigt man dich, spricht man unnützes Zeug, so ist es eine Zeit zu schweigen. Spricht man von Worten des Gesetzes, ist's eine Zeit zu reden. S» gilt es auch mit Ermahnungen zu schweigen, wenn man weiß, daß es nichts nützen werde, aber es ist eine Zeit zu reden wenn du Böses verhindern Kannst und deine Worte Eindruck machen. 22 (41). Die größte Wächterin der Lebens- und Siltenweisheit ist die Scham. Gehe zurück auf die Anfänge deiner Tugenden, du findest bei den meisten als ihre erste, früheste Wurzel: die Scham. 23 (4i). Der Mensch ist eine Welt im Kleinen. Wer darum einem Menschen Leides zugefügt, hat eine ganze Welt beleidigt. Was es auch sei, womit du deinem Nächsten irgend einen unangenehmen Augenblick bereitet, wirst Du vor Gottes Strafgericht zu büßen haben; denn es ist gesagt, über alles dies wird dein Gott dich ins Gericht ziehen, selbst über das Nichtoffenbare. Das Nichtoffenbare, nach Erläuterung der Weisen, wer «uch nur etwas Ekel Erregendes vor seinen: Nächsten tut und dadurch in ihm eine unangenehme Empfindung erregt. Darum werden wahrhaft

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