Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 14 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 239 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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239 Herzen auftretenden Verkalkung. Wie oft■ erleben wir es, daß ein starker Raucher, den man auf die schädlichen Folgen dieses Mißbrauches aufmerksam macht, die Warnung lächelnd in den Wind schlägt, indem er sich — ganz ähnlich wie jener, der vor dem reichlichen Alkoholgenuß gewarnt ist — darauf beruft, daß er ja schon seit 20 Jahren gleich stark rauche, ohne daß es ihm etwas geschadet habe, oder daß ja so viele seiner Bekannten ebenso stark rauchten, ohne daß ihm etwas von schädlichen Folgen bekannt geworden sei. Was den letzteren Punkt anlangt, so ist nochmals daran zu erinnern, daß das Maß dessen, was der einzelne verträgt, recht verschieden ist, so daß ein Quantum, das zehn Bekannte nicht schädigt, beim elften die schwersten Herzbeschwerden auslösen kann. Sich aus gesunde Bekannte zu berufen, ist ebenso töricht, als wenn jemand die Absonderung der gesunden Kinder von einem Diphteriekranken mit dem Hinweis verweigern wollte, daß bei einem Nachbar in einem ähnlichen Falle auch keine Absonderung vorgenommen worden und dennoch keine Ansteckung erfolgt sei. Aber viel wichtiger ist eine andere Tatsache, die jener Raucher eben nicht kennt. Gerade die schwerste Folge der chronischen (allmählichen) Nikotinvergiftung, die Herzverkalkung, nimmt oft einen eigentümlichen Verlauf. Sie macht sich keineswegs von Jahr zu Jahr immer stärker bemerkbar, so daß der Befallene etwa das Herannahen - der Anfälle vorhersieht. 20 Jahre lang fühlt er sich wohl und spottet aller Warnungen. Dann aber treten plötzlich einige Vorboten auf, und eines Tages ist der echte, schwere Herzanfall da, der Schmerzen bereitet und das Zeichen einer nicht mehr ausreichenden Herzkraft ist Dann sieht der Raucher und Trinker zu spät ein, daß er in seinem Körperhaushalt übel gewirtschaftet hat. Wenn nun wenigstens die Jüngeren an solchen Beispielen lernte»! Aber immer wieder hört man jenen Hinweis auf die bisherige Gesundheit. Natürlich gibt es auch Leute, die starke Dosen vertragen, ohne wirklich früher, als ihrem Alter entspricht, Herzerscheiuungen zu zeigen. Jedenfalls sei man vorsichtig und schränke den Genuß ein," wenn man ein Zunehmen des Katarrhs oder andere leichte Beschwerden bemerkt. Ebenso unangebracht, wie der Nikotinmißbrauch ist aber anderseits auch die übertriebene Ängstlichkeit vor dem Gift, das sich gegenüber dem Alkohol zu einer Abstinenzlewegung ausgewachsen hat. An kleine Giftmengen gewöhnt sich der Körper, ohne Schaden zu leiden. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse beim Alkohol, mit dem wir uns in der nächsten Nummer zu beschäftigen haben werden. Israel in der Verbannung. von s. Z. Stetnheim. Vater: Nenne mir Gattin, was du gerettet, klls uns der Feind vertrieb vom Herde, dem Lande der Väter? Mutter: Zeine Leinwand, den reichen Teppich Und einen goldnen Nasenring.