Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1910-12-01 · 14 (12.1910) · p. Seite 238

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
14 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 238 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4903180-5965937-5965966--305-4903465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

238 Kaffee und Tee sind sehr beliebte Gennßmittel. Wenn sie auch — besonders infolge der reichlichen Beimischung von Zucker — einen gewissen Nährwert haben, so beruht ihre Beliebtheit und Verbreitung doch ausschließlich auf den in ihnen enthaltenen, nervenreizenden Stoffen, die erfrischend, Müdigkeit vertreibend, anregend wirken und von großem Wohlgeruch und Wohlgeschmack sind. Kindern gebe man im ersten Jahrzehnt möglichst keinen Kaffee und Tee, erstens um die zarten Organe nicht unnötig der Wirkung jener Stoffe auszusetzen, und zweitens um den Appetit des Kindes lieber zur Verabreichung wirklich nahrhafter Getränke zu benutzen. Für Kinder eignet stch besonders der Kakao, der zwar auch ein dem Thee ähnliches Genußmittel in geringer Menge andererseits aber auch nahrhafte Substanzen enthält. Der Kaffee wird von manchen Menschen garnicht oder nur in einer bestimmten Menge vertragen Ueberschreiten sie diese Grenze, so stellt sich Herzklopfen, Schwindel, Nervosität, Schlaflosigkeit und dergl. ein. Daß man also Menschen mit leichten Herzbeschwerden und nervösen Personen von zu reichlichem Kaffee- und Teegenuß abraten wird, liegt auf der Hand. Es gibt ja heute bereits Ersatzmittel, die den Geschmack von schwachem Kaffeeaufguß Vortäuschen, ohne wesentliche Mengen des reizenden Stoffes zu enthalten, z. B. den koffeinfreien Kaffe, den Malzkaffee u. s. w. Was nun den gesunden Menschen anlangt, so soll er nie vergeffen, daß Kaffee und Tee anregende, aber auch reizende Stoffe enthalten, daß man sie also nicht wie Nährstoffe in beliebiger Menge genießen darf. Vielmehr überlege man immer flüchtig, ob man nicht heute bereits überreichlich viel davon genossen hat; vor allem aber gewöhne man sich nicht an den Maffengenuß dieser Stoffe, indem man z. B: allabendlich, halb in Gedanken ein Glas Tee nach dem andern trinkt, sondern setze sich eine bestimmte Zahl Taffen oder Glas fest. Denn anch bei einem Menschen, der diese Getränke sehr gut zn vertragen glaubt, können sich nach Jahrzehnten an Herz oder Nerven krankhafle Erscheinungen bemerkbar machen. Diese letztere Erfahrung macht man besonders häufig beim Tabak. Tabak und Alkohol sind ja die Genußmitkel, mit denen am meisten Mißbrauch getrieben wird. Die angenehme, anregende, im Uebermaß aber schädigende Wirkung beruht darauf, daß die durch Verbrennung entstehenden Stoffe znm Teil vom Körper ausgenommen werden. Von diesen Stoffen ist das bekannteste das Nikotin, doch sind ihm auch andere Stoffe, die der Leser kennt, z. B Blausäure, Kohlensäure, Kohlenoxyd, Ammoniak u. a. beigemischt. Es kommt natürlich bei der Bemessung der Wirkung auf Verschiedenes an: wie „stark" der Tabak ist, den man zu raucheu pflegt wieviel man täglich raucht, auch w i e man raucht (wenn das Ende der Cigarre dauernd feucht ist, so gehen mehr Stoffe in den Körper über, als wenn man trockener, oder mit häufig gewechselter Spitze raucht) — und endlich ist das Maß dessen, was der einzelne Mensch verträgt, bekanntlich sehr'verschieden. Die bekanntesten Schädigungen durch zu starken Nikotingenuß sind der reizende Einfluß auf '.die Nerven, die allmähliche Entstehung eines chronischen Rachenkatarrhs, Entstehung neuer und Förderung alter Magen- und Bruftkatarrhe und endlich die Beschleunigung der am

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.