Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 14 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 237 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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237 dieser Stoffe ist in der Tat zumeist ekelerregend. Sie werden für den Menschen erst dadurch aufnahmefähig, das sie mit Genußmitteln gemischt sind, die den Geschmack jener Stoffe völlig verändern, Wohlgeruch und Wohlgeschmack erzeugen und auf den Appetit anreizend wirken. Aber diese Genußmittel haben selbst keinen Nährwert. Man denke an eine Maschine, die mit Kohlen geheizt werden muß. Der Dampf, der aus dem Heizmaterial, aus der Nahrung der Maschine gewonnen wird, ist die Quelle ihrer Kraft. Aber was würde die reichlichste Versorgung mit bester Kohle nützen, wenn nicht für die nötige Schmiere gesorgt ist! Diese Schmiere ist zwar selbst kein Nährstoff für die Maschine, aber ohne sie ließe sich die Nahrung nicht ausnützen. — Als Genußmittel kommen z. B. die Stoffe in Betracht, die wir durch das Braten des Fleisches, das Backen des Brotes erzeuge», und die einen neuen Geschmack und Geruch des Nährmittels Hervorrufen. Ferner die Gewürze, die wir den Speisen zusctzen, wie Pfeffer. Senf und Effig. Wie stark sie auf den Appetit wirken, ersehen wir daraus, daß, wenn eine „appetitliche" Speise auf den Tisch kommt uns wohl einmal „das Waffer im Munde zusammenläuft". Der Geruch wirkt auf das Nervensystem und vermittelt die nötige Ansammlung der verdauenden Säfte im Mund und im Magen. Andere Gennßmittel, die belebend und erfrischend wirke», die den ermüdeten Körper zu neuer Tätigkeit anregen, werden in ziemlich reinem Zustande genoffen, ohne selbst ein Nahrungsmittel zu sei», so der Kaffee, der Tee, der Alkohol (in Bier, Wein und Branntwein) und der Tabak. Wir ersehen aus alledem, wie unentbehrlich uns die Genußmittel sind. Aber ein Zuviel ist für den Körper von großem Nachteil, und vor allem können sie niemals die Nahrungsmittel ersetze». Wir sprachen früher einmal von dem geringen Nährwert der Fleischbrühe (Bouillon). Sie ist ein echtes Genußmittel. Wir riete» deshalb all denen, die sonst mit einem guten Appetit gesegnet -sind, aber dennoch recht häusig Bouillon genießen,, weil sie eben fälschlich glauben, sie emhalte die Kraft, den eigentlichen Nährwert des Fleisches, von dem regelmäßigen Genuß dieses reinen ,.Genußmittels" ab. Anders bei alten, schwachen oder kranken Menschen Hier kann dieses Genußniittel die darniederliegende Verdauung im Magen und Darm vorzüglich anregen und damit der Aufnahme wirklicher Nahrungsmittel den Boden bereiten. Aber nie kann das Genußmittel das Nahrungsmittel ersetzen. Daß ein Zuviel von Schaden ist, war bereits erwähnt. Man gewöhne sich — und besonders die Kinder — nicht an zu stark gewürzte Speisen. Gerade in der jüdischen Küche gewisser Gegenden ist der stark gesalzene Fisch, das gepfefferte Fleisch, und der reichliche Gebrauch von Senf, Nelken, Paprika, Meerrettig u. dgl. sehr beliebt. Bei der Besprechung des überreichlichen Fleischgenusscs sahen wir bereits, daß man so nur für gewisse Krankheiten, wie Verkalkung, Gicht, Leberleiden u. s. w. einen günstigen Boden schafft. Auch reizen diese Stoffe die Nieren und die Nerven.