Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 14 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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235 Braut und Bräutigam vor dem Rabbiner eine Prüfung über ihre - Kenntnisse in der Religion ablegen mußten, bevor sie das TrauungSzertifikat erhielten! Von mir würde keine Braut dieses Zeugnis erhalten haben, wenn sie nicht rasch zuvor dawenen gelernt hätte! Seit kurzer Zeit hüben wir hier im Osten ein Zweigbureau der «.Freien Vereinigung für die Jntereffen des orthodoxen Judentums". Ich hoffe und wünsche, daß eS ihr gelingen niöie, Hand in Hand mit unseren einheimischen gleichgesinnten Instanzen auch nach dieser Richtung zu wirken, daß die Sonne reiner Erkenntnis und Dirn nsv immer Weitere Kreise bestrahle. j Verzeihung! Ich bin von meinem Thema etwas abgeschreift, das Wort Channos möge mir als Entschuldigung dienen ’rnr 21« '2 Tin ny vrm >0x21, tiefbetrübende Erscheinungen, die ich beobachtet habe, führten mich soweit. Ich wende Nlich jetzt sogleich wieder der Beantwortung der Frage meines Freundes zu, die auch für weitere Kreise Interesse Haien dürfte. Der Begriff „religiöse Weiterbildung" setzt voraus, daß eine religiöse Bildung voranging. Wir wollen deshalb zunächst klarlegen. Was wir von einer guten Schulbildung in religiöser Hinsicht für unsere Töchtern fordern. Notwendig ist es, daß unseren Töchtern in der Schule' geboten Wird: Kenntnis des Sidbur, allgemeine Kenntnis des Inhaltes des Tenach, wenn auch nicht im Urtext, Kenntnis der biblischen und der wesentlichsten Momente der nachbiblischen Geschichte, dann alles dasjenige, was man als „Religionsunterricht" bezeichnet, wozu ich «ine möglichst gründliche Kenntnis der Mizwaus rechne. Letzteres schon deshalb, weil nicht zu erwarten ist, daß alle schulentlaffenen Mädchen noch weiterhin jüdisch lernen, beziehungsweise Anleitung zur Erfüllung der nuro erhalten. Vorausgesetzt, daß die Schule dieses von nns geforderte Ziel im Auge behielt, die ihr zugewiesene Aufgabe erreicht hat, dann darf nach dem Verlassen der Schule von einer Weiterbildung gesprochen werden. Dabei schalten wir alles aus, was irgendwie an philologischphilosophische oder historische Studien erinnert. Man wolle uns nicht mißverstehen, nicht etwa, ..daß wir es für unnötig hielten auch dann noch unseren Töchtern Übersetzen von Siddur und Tenach zu «mpsehlen, nicht etwa daß wir es für unnötig hielten, daß unsere Töchter sich auch fernerhin über die Geschichte unseres Volkes und die geistigen Grundlagen des Judentums unterrichten. Auch dies halten wir für sehr wünschenswert. Wir wollen aber nicht den ‘jcb, das Nebensächlichere, zum ip’v, zur Hauptsache, erhoben wiffen oder umgekehrt. Was ist die Hauptsache? Was ist die Hauptdisziplin, welche die Kurse und Vorträge für die schulentlaffenen Mädchen berück-