Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 14 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 234 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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234 Wsr«»s |«t die reli-iSse WeiterM»«- »serer sch>le>tV<chse>eik Tilchler »ett fi te-e»? Don Rabbiner Dr. IN. L. Vamberger»LchSnlanbe. Diese Frage, welche ich an die Spitze dieses Aufsatzes setzte, wurde mir vor kurzer Zeit von einem Freunde, einem ernsten Jehudi Norddeutschlands vorgelegt und, nebenbei bemerkt, nicht von einem Rabbiner oder Lehrer, sondern von einem bedeutenden Kaufmann in einer Großstadt, der durch seine geschäftliche Tätigkeit sehr in Anspruch genommen, der aber trotzdem die Heiligkeit seiner Verpflichtungen als jüdischer Vater wohl beachtet und deshalb ernstlich sich mit der religiösen Erziehung seiner Kinder beschäftigt. Ich schicke dies voraus, weil wir im Osten und Norden Deutschlands so häufig die traurige Beobachtung machen können, daß auf die religiöse Erziehung der Kinder selbst „von fromm sein wollenden Eltern' erschreckend wenig Wert gelegt wird. Auf die Erziehung resp. die Ausbildung im Jüdischen — oder wie man fich in diesen Gegenden gebildet ausdrückt im Hebräischen — bei den Mädchen legt man nicht allzu viel Wert, weil es genügt „wenn ein Mädchen dawenen kann.- Anders bei den Knaben! Da räumt man. es wohl ein, daß der Junge unbedingt hebräisch lernen muß, er muß doch als späterer Baalbois auch die Pflichten desselben kennen! Dabei zeigt es sich aber, wie auch im schlimmsten Sinne das Mephistofelische Wort Geltung hat: „Es erben sich Gesetz' und Rechte wie eine ew'ge Krankheit fort". Mit der „Einsegnung- (vulgo Barmizwoh) hat der Junge nS« mwi bn, sein jüdisches Studium beendet und zwar nach dem Grundsätze minn by nrot Sn Sp nSi3 „die ganze Tora lernen, während der Zeit, die man auf einem Fuße stehend verbringen kann", denn etwas anderes ist es nicht, wenn ein Junge vom 8.-9. ev. 10. Jahre ab wöchentlich 4—5 Stunden hebräischen Unterricht erhält! Wenn man den Eltern dies vorrechnet, bekommt man in vielen Fällen die stereotype Antwort „der Junge soll doch nicht Rabbiner werden.- Und wenn man es sich nur gar einmal in den Kopf setzen würde, eine begabte Schülerin, die für das Jüdische besonderes Interesse zeigte, auch nach der Schulentlassung zum Fortsetzen des Jüdischlernens zu veranlassen, ich glaube bestimmt, daß man in den Verdacht käme,das Mädchen unfehlbarzu einer veritablen Rebbezin ausbilden zu wollen. Da ist es in den Augen des großen Publikums immer noch viel besser, wenn ein Mädchen zur Chuppe geführt wird und nicht einmal dawenen kann! Ich übenreibe nicht! Mir find viele junge Damen in Ostdeutschland bekannt, für die der Vater bereits einen Schidduch sucht, aber dawenen können die Damen nicht! Im stillen dachte ich da oft mit heißer Sehnsucht an jene gute alte Zeit, in der