Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1910-12-01 · 14 (12.1910) · p. Seite 233

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
14 (12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 233 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4903180-5965937-5965966--300-4903460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

233 erklärt in diesem Sinne der Verfasser der „Akedah": Du brauchst nur den Tag zu erkennen und richtig zu würdigen, um dir das Bewußtsein unverlierbar ins Herz zu senken, es gibt einen Gott. Das Bewußtsein dieser Wundergröße Gottes in dem, wovon wir fort und fort leben, entzünden wir mit unfern Chanukahlichtern. Mag das, was der Welt als Wunder dünkt, die Offenbarung Gottes durch Aufhebung aller bestehender Verhältniffe, immerhin seit Jahrtausenden zurückgetreten sein; unsere Erhaltung, unser Bestand, unsere Zuversicht in die Zukunft sind ein größeres Wunder. Ist das bloße Dasein Israels nicht ein weithin leuchtendes Wunder? Wäre es möglich ohne Gottes wundermächtigen Beistand ein Leben zu entfalten, das sich gewissenhaft in göttlichen Bahnen bewegt? Sie haben Recht, alle welche sagen, daß nach gesundem Menschenverstand der Jude nicht reüssieren könne, der seinen Sabbat und seine Feiertage hält. Gewiß, nach dem gesunden Menschenverstände nicht. Dieser sieht aber bei all seiner ihm nachgerühmten Gesundheit nur was in seinem Gesichtswinkel liegt, was sich berechnen, messen und zählen läßt. Er sieht die Schranke, welche die Heiligung des Sabbats unserem Erwerbsleben zieht, aber den Segen steht er nicht, den Gott gerade an die Heilighaltung des Sabbats geknüpft hat, sieht nicht, wie sich füglich diejenigen, die dieses Gotteszeichen treu bewahren, doch nicht schlechter, wie sie sich besser stellen, als diejenigen, die es von sich weisen. Er sieht das ovns ttnp’i, aber das -pa'i 'yaipn oi' ns steht er nicht. Der sinnliche Verstand hält es für unmöglich, daß ein Kind erstarkt, das am achten Tage seines zarten Lebens für Gott sein Blut hingiebt, und die nach Jahrtausenden zählende Geschichte unseres Volkes zeigt doch, daß ihm die zäheste Lebenskraft innewohnt. Wer kann bestehen bei der Einschränkung, welche wie die Speisegesetze, die Reinheitsgesetze, unser Erwerben und Genießen regeln, frägt der sinnliche Verstand. Und unser Volk giebt darauf die Antwort, nicht durch Schriften, nicht durch Diskussionen, sondern durch sein Dasein. Das ist die Wunderwaltung Gottes, welche die Geschichte des Ehanuckafestes alljährlich neu in uns belebt. Damals hatte sich eine ganze Welt verschworen, uns dieses Gesetz zu verleiden, es durch Köder und Folter aus den Geistern und Gemütern eines ganzen Volkes zu reißen. Sie haben sich alle verrechnet. Die Wunderwaltung Gottes hat uns gerettet. Sie hat die Schwachen stark und die Starken schwach gemacht, und jedes Chanukalicht, das aus nnseren Häusern in die Nacht hineinleuchtet, weckt mit seinem Strahl in jeder jüdischen Brust auch für die ähnlichen Gefahren unserer Zeit die zuversichtliche Ueberzeugung: .diiZ.n iav iwxa ioy ns *n 2>iv' sS 'a Ä 3p

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.