Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 14 (12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 232 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Die Frage, welches von den beiden Wundern mehr imponiert, wäre daher allgemein gefaßt die Frage, ob ein Wunder größer ist, welches sich im Rahmen der Naturgesetze, oder ein solches, das sich außerhalb derselben vollzieht. Man mag sich nun für die eine oder andere Ansicht entscheiden, beim Chanukahwunder waren beide Wunderarten vertreten, dasjenige, das innerhalb der gewöhnlichen natürlichen Schranken sich vollzieht und dasjenige, das diese Bahnen verläßt und gegen den natürlichen Verlauf der Dinge sich verwirklicht. Darin liegt die Eigenart des Chanukahwunders. Die große Masse mag die letztere Wundergattung für größer als die erstere halten. Für den tiefer Blickenden ist das nicht der Fall. Daß Gott, der die ganze Natur geschaffen, ihr auch Stillstand gebieten kann, ist in Wirklichkeit kein Wunder. Das Gegenteil wäre wunderbar. Wenn das von Gott geschaffene Meer dem Gottesvolke den Weg zum Sinai verlegen könnte, so würden wir vor einem unlösbaren Rätsel stehen. Denn sein Zurücktreten ist in der Tat nichts als eine natürliche Consequenz der Allmacht seines Schöpfers. Viel wunderbarer ist es, wenn die Natur ihr Geleise nicht verläßt und mit ihren allgemein bekannten Gesetzen, mit ihrem gewohnten Laufe die Zwecke und Ziele fördert, die Gottes Welt und Menschen erziehende Fürsorge gefördert wiffe» will. Für die große Masse, der dieser tiefe Blick abgeht und Gottes Waltung nicht im gewöhnlichen Lauf der Dinge erblickt, waren die Wunder nötig, die Gott als Herr und Meister in Natur und Geschichte bekunden. Nachdem diese Art von Wundern innerhalb einer bestimmten Periode der Geschichte diesen ihren Zweck erfüllt haben, sind sie zurückgetreten, und die Zeit für diejenigen Wunder ist gekommen, die sich trotz aller Schranken der Naturgesetze Und inne.rchalch derselben vollziehen. So reich die älteste Geschichte Israels an solch offenkundigen Wundern ist, die Geschichte des Gottesvolkes seit der Zeit seiner Zerstreuung ist ein nicht minder weithin leuchtendes Denkmal der anderen göttlichen Wunderwaltung, die sich iu natürlichen Formen vollzieht. So gewiß das Leuchten, der regelmäßige Aufgang und Untergang der Sonne ein größeres Wunder ist, als ihr einmaliger Stillstand, so gewiß ist die Jahrtausende hindurch dauernde wunderbare Erhaltung des Gottesvolkes ein größeres Wunder, als die einzelnen Momente, in welchen die Wundermacht Gottes plötzlich auch dem schwachen Blicke sichtbar wird. Das dürfte der Sinn der Worte unseres Chanukagebetes sein: rijn Dva? liTpni .Deinem Volke Israel hast du reiche Hilfe und Rettung bereitet wie dieser Tag." Mit dem Siege und der Befreiung Israels hast du, o Gott, dasselbe Wunder vollzogen, das jeder Tag durch das regelmäßige Walten des Tagesgestirnsder Sonne bedeutet. Die Worte:u mvn w -paS Sk niatwn ovnnjm