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Jüdischer Volksbote · 1910-10-01 · 13 (10.1910) · p. Seite 228

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
13 (10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 228 (sequence 18)
Language
German
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228 feitige Ernährung, zum Teil das ungenügende Verständnis für die Bedeutung einer regelmäßigen und ausreichenden Entleerung schuld. In späteren Jahren wird das Leiden die. Quelle mannigfacher Beschwerden, auch ist es die Haupmrsache der unter Juden so verbreiteten Haemorrhoiden-Krankheit. Dem nervösen Patienten rät der Nervenarzt neben der zweckmäßigen Diät vor allem eine geregelte Entleerung an. Jedermann weiß, wie ungünstig die ungenügende Entleerung auf bestehenden Kopfschmerz oder erhöhte Reizbarkeit einwirkt. Das beste Mittel zur Regulierung der Verdauung und Vermeidung der erwähnten üblen Zustände ist nicht der regelmäßige Gebrauch von Abführmitteln, sondern der regelmäßige Genuß von Obst und Gemüse. So wirkt also diese Diät in verschiedener Beziehung auf die Gesundheit der Nerven günstig ein. Wir wollen auch erwähnen, daß der Genuß von rohem Obst — ganz im Gegensatz zum Fleischgenuß — auf die Mundschleimhaut und ganz besonders auf die Zähne erstens reinigend und zweitens „desinficierend", d. h. keimtötend wirkt. Welche Bedeutung aber ein von Natur gesundes Gebiß, ganz abgesehen von seiner Schönheit, auf die Magenverdauung hat, ist auch in Laienkreisen bekannt. Sehr wesentlich ist auch der Gehalt von Obst und Gemüse an gewiffen Nährsalzen. Ich nenne nur den Gehalt an Eisen. Das Grün der Pflanzen, Chlorophyll genannt, entspricht dem Rot im Tierblut. Pflanzensaft wie Blut enthalten einen zur Atmung nötigen Farbstoff, enthalten aber auch beide neben anderen Salzen Eisen. Wenn daher ein Kind blutarm ist, so giebt man ihm Eisenmediciu. Klüger aber ist die Mutter, die dem Kind das Eisen in einer natürlichen Medicin, im grünen Gemüse, reicht. Spinal, Kohlrabi und anderes grünes Gemüse ist also ein ebenso heilsames Nahrungsmittel für Blutarme wie für Nervöse. Man esse das Gemüse nur in jungem, zarten Zustand. Bei unseren vorzüglichen Bahnverbindungen ist ja solches heutzutage viel häufiger als in früheren Zeiten zu haben. Das Obst genieße man roh, aber selbstredend nur in sicher reifem Zustande. Zur Zeit der Obstreife mehren sich alljährlich die Darmkatarrhe und Blinddarmentzündungen. Vorsicht vor unreifem Obst! So mancher bildet sich ein, Gemüse nicht essen zu können. Es ist das eine Art ererbtes Vorurteil. Wie oft aber erlebt mau es, daß jemand, der auf Grund besserer Erkenntnis beschlossen hat. eine vernünftigere Diät in seiner Küche einzuführen, sich allmählich znm leidenschaftlichen Gemüseesser entwickelt und im Aroma der bisher verschmähten Speisenneue Genüsse entdeckt! Schon im 7. Lebensmonat beginne man mit der Darreichung von Gemüsen. Der Säugling, der etwa bis zum 5. Monat nur Milch, sei es von der Brust, oder sei es aus der Flasche, erhalten hat, bekommt zunächst dünne, danu dickere Gries- oder Zwieback-Milchsnppen Schon gegen Ende des 6. Monats koche man in die Suppen etwas Karotten oder dergl. hinein und füge sie in durchgequetschtem Zustande der Suppe bei. In« 7. Monat aber pappt der kleine Weltbürger schon mit sichtlichem Behagen

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