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Jüdischer Volksbote · 1910-10-01 · 13 (10.1910) · p. Seite 227

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
13 (10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 227 (sequence 17)
Language
German
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227 Die Pflanzenkost. Von Dr. Ben Zion. (Fortsetzung) Wirsetzen also im Folgenden voraus, daß vielleicht 3 oder 4mal wöchentlich Fleisch, dagegen täglich Brot, Gemüse, Eier, Milch, Butter, Obst, Gries, Aase und dergl. genossen wird. Gerade weil die Pflanzenkost „voluminös" ist, kommt es in unserem Falle nicht so rasch zur Ueberfütterung. Der Magen wird bis zur Sättigung gefüllt und enthält doch nicht so ungeheure Mengen von Nährstoffen, daß es zu den Folgeerkrankungen der Jeberfütterung, z. B. von Fettsucht, kommen könnte. Auch die Gefahr der Uebertragung von Krankheiten, wie sie bei der Fleischnahrung besteht, die allerdings durch den jüdischen Ritus beträchtlich vermindert ist, kommt bei der Pflanzenkost nicht in Betracht. Ebenso spielt die Fäulnis der Nahrungsmittel keine Rolle; tritt sie bei der Pflanze ein, so ist sie leicht zu bemerken, und entstehen Fäulnisgifte, so sind es selten so gefährliche wie beim Fleisch. Sehr wesentlich ist auch, daß, wer mehr Obst und Gemüse ißt, entsprechend weniger Fleisch ißt, somit all die Schädlichkeiten, die der reichliche Fleischgenuß mit sich bringt, von sich fernhält. Jeder kann sich davon überzeugen, daß er bei gemischter Kost oder gar nach einem Mittagbrot ohne Fleisch weit weniger müde ist als nach Fleischgenuß. Auch erwähnten wir schon, daß sich nervöse Menschen bei Pflanzenkost ruhiger und weniger reizbar fühlen als bei Fleischkost, daß unter elfterer oft chronischer Kopfschmerz verschwindet und dergl. mehr. Was sich so im einzelnen Falle, deutlich zeigt, wirkt auch ähnlich, aber langsam im Laufe der Jahre und Jahrzehnte. All die oben erwähnten Krankheiten, besonders die Verkalkung, werden uns bei gemischter Kost länger fernbleiben als bei einseitiger Fleischkost, außer wenn wir uns andere schädliche Stoffe zuführen, z. B. zuviel Alcohol oder zuviel Tabak. Zu den Mitteln, mit denen eine Bekämpfung der bei Juden häufig vorkommenden Krankheiten erfolgreich durchgeführt werden kann, gehört vor allem auch eine Reform der jüdischen Küche, eine Aenderung der Anschauungen unserer jüdischen Familien über Ernährungsfragen. Ohne gemischte Kost kein gesunder, kräftiger, gegen Krankheiten gefestigter Körper! Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Zu der starken nervösen Belastung der jüdischen Raffe stimmt leider die Vorliebe für Fleischnahrung und die Verachtung des Gemüses recht gut. Stellt doch die von uns empfohlene Art der Ernährung die erste Verordnung dar, die der Arzt heute einem nervösen Menschen zu geben pflegt — übrigens in gleicher Weise auch dem Herz-, dem Leber-, dem Nierenkranken. Doch nennen wir einige weitere Vorteile! Der Genuß von Gemüse und Obst fördert auch die Verdauung, teils weil die Nahrung voluminös ist, teils weil sie organische Säuren (Sauerkraut!) enthält. Leider wird auch auf eine ausreichende Entleerung oft nicht genügend Wert gelegt. Es ist kaum glaublich, ein wie großer Teil der Juden beiderlei Geschlechts an mehr oder minder starker Verstopfung leidet. Zum Teil ist daran die ein-

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