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Jüdischer Volksbote · 1910-10-01 · 13 (10.1910) · p. Seite 219

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
13 (10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 219 (sequence 9)
Language
German
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219 wie eine Last, die mau trägt und abwirft und davon geht, fördern sitze ebenso eine Weile nach dem Gebete und gehe dann. Ebenso stellt man sich nicht zum Gebete mitten aus Lachen und Scherzen, mitten auS Geplauder, Disput und Gezanke, sondern mitten auz klaren, entschiedenen Worten des göttlichen Gesetzes, die die Gedanken nicht weiter eingenommen halten. Mit aneiuandergeschloffeuen Füßen, die Augen nach unten und das Herz in die Höhe stehe man im Gebete, die Rechte über der Linken auf's Herz, wie ein Diener vor dem Herrn in Ehrfurcht und Schen. Nicht mit lauter Stimme betet man und auch nicht mit bloßen Gedanken im Herzen, sondern man spricht das Wort mit der Lippe und läßt fein Ohr hören was man spricht, aber nicht lauter, es sei denn man wäre krank oder könne leiser nicht die Andacht gewinnen; nur nicht im gemeinsauPn Gebete damit man die Andacht des Hörenden nicht störe. Sündhaft ist es zu plaudern oder irgend Leichtsinniges zu treiben im GotteShause wo wir vor unserm Könige dem Herrn der ganzen Erde stehen, und wehe denen, die so leichtsinnig sind, und die Furcht vor dem Allmächtigen nicht fühlen und sich nicht einmal ein Beispiel an Andern nehmen. Denn geht doch einmal in weite Ferne über's Meer, wo Menschen noch Götter anbeten, da sehet ihr Könige vor ihrem Gotte knieen und in Ehrfurcht, Furcht und bebender Scheu in ihren Tempel stehen, und das sind doch Götterbilder aus Menschenhand geformt, die nicht sehen und hören — und wir, die wir vor dem Könige aller Könige, dem Ewigen, Lebendigen, über alles Hohe Erhabenen stehen, dem alle Erhebungen und aller Ruhm gebührt, wir sollten nicht vor ihm in Ehrfurcht, Furcht und bebender, zitternder Scheu verharren?! Wenn es dich etwa wundert, wie diejenigen, die eine mangelhafte Aussprache haben und manche Buchstabenlaute garnicht oder nur fehlerhaft sprechen, beten und aus der Thora lesen können, da sie durch diese fehlerhafte Ausspache selbst Blasphemien bereu und lesen, so wundere dich eben nicht darüber. Unser Schöpfer kennt das Herz und will nur, daß das Herz es aufrichtig mit ihm meine; kann einer nicht bester sprechen, so gilt das bei ihm so viel, wie die schönste Rede. Ebenso diejenigen, welche die Gebetpsalmen laut und mit schöner Melodie singen, ohne die Verse zu verstehen, ja sie sogar fehlerhaft lesen, ihre Gebete und Lieder sind Gott wohlgefällige Opfer. Gott freut sich ihrer und sagt: wie schön singt er nach seiner Meinung vor mir, von ihm heißt es nanx ’Sp iSm, auch seine Fehler sind nur Liebe (vb bya' ab CBB’aa lautet in chald. Uebers. xV iTölB Der Betende habe sein Auge nach unten, sein Herz nach oben gerichtet, die aber, welche Kopf und Auge erheben als oll sie zur Decke schauen, werden von den Engeln ansgelacht und Distel-Köpfe gescholten. 16 (19). Vier und zwanzig Dinge erschweren die Rückkehr zum Besternt Verleumdung, Lästerzunge, Jähzorn, lasterhafte Gedanken, böse Gesellschaft, Schmarotzen bei Unvermögenden, wollüstige Betrachtungen, Diebesanteil, von vornherein Sündigen auf Rechnung künftiger Buße oder Versöhnungstages,

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