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Jüdischer Volksbote · 1910-10-01 · 13 (10.1910) · p. Seite 218

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
13 (10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 218 (sequence 8)
Language
German
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218 er dadurch doch eine neue Ansicht gewinnen; welcher Gewinnst wäre es aber, sich zu rühmen, er habe es ebenso gut gewußt! Kurz, wo er Gelegenheit findet auf eigenen Ruhm zu verzichten und andern braven Menschen die Ehre zu geben, wird er gerne diese Gelegenheit benützen, wie es heißt: Verachtungswürdiges ist in seinen Augen verachtet, Gottesfürchtige aber ehrt er. 14 (,7). Beim Lernen der Thora hat man sick mit Gründlichkeit m den Inhalt zu vertiefen, und überall daS praktische Ziel vor Augen haben, „cwij? hob 21V bye“ heißt es, „das Gute wird nur von denen recht begriffen, die es üben," die es üben, heißt es, nicht die es lernen, daß nicht etwa Jemand das ganze schriftliche und mündliche Gesetz lerne, und dabet sich gegen seinen Bater, seinen Lehrer, oder wer sonst ihm in Kenntniffen überlegen ist, versündige, sondern man lerne um zu lehren, zu hüten und z« üben, das heißt lernen, rxavb min lernen. Wer aber sich mit der .min nicht für dieses reine praktische Ziel beschäftigt, dem wäre es wahrlich besser, er wäre nicht geboren. Jedenfalls wäre er glücklicher, er hätte nie etwas gelernt; denn mit jedem Worte, das er lernt, wächst seine Verantwortlichkeit. Mit gespanntester Aufmerksamkeit hat man Ohr, Auge und Wort dem Gegenstände zuznweudeu, wenn man lernt, wie Jecheskel erinnert ward: Menschensohn, siehe mit deinen Angen, mit deinen Ohren höre und richte dein Herz auf Alles, was ich dir zeige. Wenn Jecheskel zur Erfassung eines sinnlich Darstellbaren und nach Maß und Zahl zu Ermessenden, wie die Constrnktion eines Hauses die gespannteste Aufmerksamkeit mitbringen sollte, um wieviel mehr muß man ganz Auge, Herz, und Ohr beim Erfassen von Gegenständen sein, die wie die Worte des Gesetzes auf den fernsten Distinktionen beruhen! Eine feste Zeit hat man sich für jeden Tag und für jede Nacht zum Lernen der Thora zu bestimmen um dem Gebote zu genügen: sinne im Gesetze Tags und Nachts. Das Biele macht nichts aus. Besser wenig mit Gottesfurcht, als das Biele derjenigen, die de» ganzen Tag lernen, aber nichts erfüllen. 15 (ig). Hauptbedingung im Gebete ist die Herzensfteude in Gott, nach dem Worte „rühmet Euch seines heiligen Namens, es fteue sich das Herz derer, die Gott suchen". Darum suchte auch David bei allen seinen Gebeten und Psalmen mit der Harfe sein Herz mit Freude in der Liebe zu seinem Gotte zu erfüllen, und wenn der Mensch betet, hat er sein Herz durch den Gedanken, vor Wem er stehe, in die rechte Richtung zu bringen. Fünf Erfordernisse bedingen das Gebet, selbst wenn die Zeit zum Beten da ist: Reinheit der Hände, Verhüllung der Scham, Reinheit des Ortes, Ungestörtheit vor allem Drängenden und Andacht des Herzens. Hat er ohne Andacht gebetet, so wiederhole er das Gebet mit Andacht. Findet er seine Gedanken eingenommen und sein Herz gestört, so bete er nicht, bis er seinen Sinn in die gehörige Ruhe gebracht. Andacht gewinnt man, wenn man sein Herz von allen anderen Gedanken ftei macht, als o& man unmittelbar vor Gott steht. Darum setze man sich eine Weile vor dem Gebete, um dem Gebete erst die Richtung im Herzen zu gewinnen, und dann bete man betend und bittend. Ebenso behandle man das Gebet nicht

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