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Jüdischer Volksbote · 1910-10-01 · 13 (10.1910) · p. Seite 216

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
13 (10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 216 (sequence 6)
Language
German
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216 Ebenso heißt der gottesfürchtig, der ein schweres Pflichtgebot ohne- Zaudern erfüllt, wie Abraham seine Gottesfurcht in Isaaks Opferung bewähne, nach welcher es heißt: jetzt weiß ich, daß Du gottesfürchtig bist. 11 Sei immer einsichtsvoll in der Gottesfurcht, mild in deinen Antworten, besänftigend dem Zürnenden gegenüber, friedreich mit Brüdern und Verwandten und selbst mit jedem Nichtjuden auf der Gasse, damit Du in der Höhe geliebt und auf Erden gelitten und den Menschen angenehm seiest. Der Mensch, der die Gotteslehre kennt, aber nicht übt, dem sind die innern Schlüssel zum Schatze wohl gegeben, aber die äußern nicht; wie will er hinein kommen, den Schatz zu heben? 12 (,*). Die Gottes-Liebe — nach dem Spruche: liebe ‘1 deinen Gott mit ganzem Herzen — stellt sich also dar. Gott hat uns geschaffen, daß wir ihm in Ehrfurcht dienen, daß die Liebe unserer Seele an Ihm in Freude und in Liebe und in Fröhlichkeit des Herzens hange. Das Beseligende dieser Liebe ist so stark und gewinnt eine solche Macht über die Gefühle der Gott-Liebenden, daß alle andere Liebe, selbst die Gattin- und Kinder-Liebe nicht die Seligkeit gewährt wie dem Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzen Vermögen Liebenden diese Gottes-Liebe bereitet. Sein ganzes Sinnen geht darin auf, wie er in Gottes-Liebe zu handeln habe, wie er sich um die Gesamtheit verdient machen, wie er zur Heiligung des göttlichen Namens beitragen und sich für Gottes Sache aufopfern könne, wie Pinhas sich aus Gottesliebe hingab, um für die Heiligung seines Namens in die Schranken zu treten. Es wird ihn kein Geldeswert reizen, wo Verzichtleistung auf Vorteil Heiligung des göttlichen Namens wäre, wie Abraham nichts „von Faden bis Schuhriemen" nahm, wie- Elischa die Annahme der Geschenke Naamons verweigerte. Er wird Thora» lernen nicht um irgendwelche Vergnügungen und Unterhaltungen unterbrechen. Er wird auf Tändeleien, Frauenblick und Musikgenuß verzichten um seinem Herzen die Ungeleiltheit in der Gottesfreude und in dem Mühen und Streben für Gott gefällige Werke zu erhalten. Er wird sich ein. Beispiel an Dienern sterblicher Könige nehmen. Wie sind solche Königsdiener nicht bemühet, Königs Willen zu erfüllen und Etwas zu tun, was dem Könige wohlgefällt, und wie finden sie schon ihre Freude und ihren Lohn darin, wenn ihr Streben und Tun von Königs Auge bemerkt wird — und das ist doch ein Mensch, einst Moder und Würmerkost wie er! Mit welch unvergleichlich freudigerem Streben und Eifer wird er um Gottes, seines ewig lebendigen Schöpfers Willen bemühet sein und eifrig darüber nachsinnen, wie er das Verlangen seiner Gebote vollbringen und erfüllen könne. Wer Gott aus Liebe dient, beschäftigt sich mit der Erkenntnis und Erfüllung des Gesetzes, wandelt in den gebührendden Pfaden der Weisheit, beschäftigt sich mit der Lehre und liebt Gott eine solche reine Liebe, die weder aus Furcht vor irgend einem Uebel, noch aus Hoffnung auf irgend ein zu erwerbendes Gut entspringt, sondern Gott in Wahrheit dient, weil Gott die Wahrheit, ist und die Wahrheit sich am Ende durch sich selbst bewährt. Die Liebe zu Gott hat eine solche Höhe zu gewinnen, daß sie^

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