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Jüdischer Volksbote · 1910-08-01 · 12 (8.1910) · p. Seite 210

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
12 (8.1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 210 (sequence 18)
Language
German
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210 Die Ursachen, welche im Geschäftsleben jenen Verfall hervorgebracht haben, sind die durch die vngemein große Konkurrenz erschwerten Erwerbs» verhältniffe, wozu sich die Sonntagsruhe gesellte. Dadurch ist das Publikum genötigt, Sonnabend seine Einkäufe zu besorgen, der Arbeiter ist nur an diesem Tage bei Kaffe, und bei dem schweren Daseinskampf, den der Kaufmannsstand zu bestehen hat, gehört ein hoher Grad von Opfermut dazu, die Kunden abznweisen und sie dem Nachbar in die Arme zu führen. Bedeutend günstiger sind die Verhältniffe im Handwerkerstande, wo auf Bestellung gearbeitet wird. Hier kommt es in der Regel den Kunden nicht darauf an, ob die bestellte Arbeit einen Tag früher oder später geliefert wird, und in der stillen Werkstätte sind am Sonntag Verrichtungen möglich, welche die öffentliche Ordnung nicht stören. Die Versuchung ist hier geringer, und die Kraft des Willens wäre ausreichend, den heilige» Tag gewiffenhaft zu beobachten. Dem Verband der Sabbatfreunde wäre es wegen der leichteren Durchführbarkeit der Sabbatheiligung dringend zu empfehlen, seinen Einfluß uud seine Tatkraft nach dieser Richtung zu betätigen. Er könnte erfolgreich wirken, wenn er bestrebt wäre, mit dem Aufwand aller Mittel hier Abhilfe zu schaffen. Bei gebührender Prüfung dieser Tatsachen werden wir die zwingenden Gründe zur Förderung des Handwerks eiusehen und anerkennen. Sind wir von ihnen überzeugt, so müffen wir, um eine erfolgreiche Tätigkeit entfalten zu können, Mittel und Wege finden, die Liebe und das Interesse für das Handwerk zu erwecken und zu erhalten. Die geeigneten Mittel zur Erreichung des zu erstrebenden Zieles kann mau in drei Punkten zusammenfaffen, 1) Belehrung, 2) praktische Anleitung, 3) würdige Unterstützung. Schon im zarten Alter soll die Liebe zum Handwerk geweckt und sorgfältig gepflegt werden. Frühzeitig soll die Botschaft vom dem hohen sittlichen Wert der körperlichen Arbeit in das weiche, offene und empfängliche Kinderherz gestreut werden. In der Schule hat der Lehrer die Pflicht, das Vorurteil gegen den Handwerkerstand mit allen Mitteln zu bekämpfen. Er soll die Kerusprüche unserer Weisen und das Beispiel unserer Ahnen dem Kinde vorführen, er laffe die Umrisse der ausgeprägten Geschichtsgestalten in voller Klarheit entstehen, damit sich die Jugend an diese ergreifenden Bilder mit Begeisterung emporranke. Es ist auch sehr empfehlenswert, in Gemeinden und in Vereinen oft auf die erhabenen Grundsätze unserer Weisen hinzuweisen. Um die Lust und Lieb« zu erhalten muß in der Schule zur Belehrung durch das Wort hinzukommen die praktische Anleitung. Um den hohen Wert der Arbeit zur vollen Geltung zu bringen, soll in den Schulen Handfertigkeitsunterricht eingeführt werden. Die Anleitung zur praktischen Tätigkeit ist eine alte pädagogische Forderung. Die hervorragendsten Männer ans dem Gebiete der Erziehungslehre verlangen, daß alle Knaben in einem Handwerke unterrichtet werden sollen. Locke sagt: „Zur Erholung lerne der Jüngling aus den reicheren Ständen ein Handwerk, in der

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