Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1910-08-01 · 12 (8.1910) · p. Seite 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
12 (8.1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 208 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4903180-5965937-5965964--269-4903431
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

208 In Würdigung der vorgetragenen Gründe bin ick indessen bereit, die Wünsche der .Freien Vereinigung" tunlichst zu fördern und habe demgemäß die Eisenbahndirektionen beauftragt. Anträge der gedachten Art wohlwollend zu prüfen und. soweit die Verhältnisse eS gestatten, zu berücksichtige«. Anträge für bestimmte Orte und Strecken, für die das Bedürfnis vorlicgt, würden an die örtlich zuständige Eisenbahudirektion zu richten sein. An die .Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxe» Judentums" Frankfurt a. M. Es wird sich nun darum handeln, daß die interessierten Viehhändler überall sofort zu gemeinsamer Beratung zusammentreten, um an der Hand des Fahrplans festzustellen, welche Anträge in Bezug auf dieAnnahmezeiteu für Biehsendungen an die Eisenbahndirektion zu richten sein würden. Dabei müßten die Interessenten der an derselben Bahnstrecke liegenden Orte zusammen ihre Beratung abhalten und ihre Anträge formuliren. Der Vorsitzende unserer Kommission hat dieser Tage durch besonderes Rundschreiben die Gemeindevorstände und Vertrauensmänner ersucht, die Einberufung dieser Versammlungen zu veranlassen. Sobald die Aktion im Gebiete der preußisch-hessischen Eisenbahn- Gemeinschaft etwas weiter gefördert sein wird, soll auch in Bayern, Baden, Württemberg in ähnlicher Weise vorzugehen versucht werden, soweit dort ein Bedürfnis dafür vorhanden ist. »25 Baudwerk im Judentum. Von I. St. (Schluß.) Die moderne Zeit hat auch neue konventionelle Pflichten, neue Anforderungen an das Leben geschaffen, von welchen unsere Väter keine Ahnung hatten. Es entstanden neue Bedürfnisse, welche sehr kostspielig sind und oft über unsere Verhältnisse hinausgehen, und um modern leben 4« können, ist das Erträgnis eines Handwerks,. das nur bei bescheidenen Ansprüchen den Mann ernähren kann, viel zu gering. Der tüchtige Kaufmann, der geschickte Arzt, der gewandte Jurist kann angeblich leichter die hohen Summen erringen, welche zum „standesgemäßen" Leben gehören, sie können schneller zu Reichtum gelangen, und da es alle Eltern als selbstverständlich Doraussetzen, daß ihr Sohn eine phänomenale Kraft ersten Ranges sein wird, so findet die moderne Erscheinung eine natürliche Erklärung. Die Auswüchse der modernen Kultur, die ungünstigen Zeitverhältnisse sind es gerade, welche uns mit gebieterischer Gewalt drängen, die Jugend nuf andere Berufszweige hinzuweisen, als auf diejenigen, welche sie bisher vorzugsweise erwählte. Infolge des allzu großen Andranges zum allein glücklich machenden Kaufmanns- und Gelehrtenstande, sieht der nüchtern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.