Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 12 (8.1910)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 199 — Di« Pflaazeiko$t. Von Dr. Wen Zion. Wir haben im vorigen Kapitel auf die Gefahren der einseitigen Er- «ährung, insbesondere der übermäßigen Fleischkost, hingewiesen, und dabei auch die durch reichlichen Fleischgenuß hervorgerufenen oder begünstigten «Erkrankungen kennen gelernt. Auch die übermäßig fette und süße Zu» Bereitung der Speisen, besonders, wenn sie nicht mit der häufigen Darreichung von Obst und Gemüse verbunden ist, ruft allerlei chronische Erkrankungen hervor oder begünstigt ihre Entstehung. Hierin ist auch, selbstredend nicht der einzige, aber einer der Gründe zu suchen, weshalb die Zuckerkrankheit in der jüdischen Raste so verbreitet ist. Auch die Fettsucht, deren schlimmste Folge die Herzverfettung ist. ist eine der Zuckerruhr nah verwandte Krankheit. In vielen jüdischen Familien, in denen viel Fleisch genoffen wird, -und alle Speisen recht süß und fett zubereitet werden, gilt demgegenüber das Gemüse als höchst minderwertige Speise. Insbesondere das grüne Gemüse, der Salat und Spiuat, rangiert für viele Familien unter den für «ine Ziege und die Kuh geeigneten Grassorten. Wochenlang bleibt auf manchen Tischen das Gemüse fern. Auch das rohe Obst wird in solchen Familien wenig geschäht und meist nur in Form von Compot unter reich, lichem Zuckerzusatz genoffen. Die Stärkeftoffe, wie sie im Mehl, den Hülsenfrüchten, im Gemüse mnd Obst enthalten sind, sind bei der gemischten Kost, die das Ideal jeder Ernährung bleibt, unentbehrlich doch sei hier gleich hervorgehoben, daß «inseitige Pflanzenkost, wie wir im folgenden zeigen werden, daß also «ine rein vegetarische Lebensweise «benfalls Schaden zeitigt. Wir wollen ^war aus unseren Betrachtungen alles, was nicht praktisches Interesse hat, Ausscheiden. Aber 3 Zahlen sollte sich der Leser merken, die ihm beweisen, daß die Natur dem Menschen eine Mittelstellung zwischen dem reinen Fleisch und dem reinen Pflanzenfresser angewiesen hat, sodaß also der Mensch, der sich nach der einen oder der andern Seite hin einseitig ernährt, wider die Natur handelt. Die gesamten Verdauungsorgane der Pflanzenfreffe* machen 15—20°/o ihres Körpergewichts aus, die der Fleischfreffer -nur 5—6 %. Der Mensch steht mit 7—8 % in der Mitte. Die hohe Zahl 15 erklärt sich daraus, daß Pflanzennahrung sehr voluminös ist, d. h. wegen ihres hohen Waffergehalts bei gleichem Nährwert eine weit größere Maffe darstellt, als Eiweißkost. Weshalb ist die Aufnahme von Stärkestoffen für den Körper so wichtig? Weil auf ihrem Zerfall (im Körper wechselt Aufbau und Zerfall fortwährend ab, ein Vorgang, den man Stoffwechsel nennt) die Entstehung unserer Körperwärme und die Möglichkeit der Arbeitsleistung (unserer Muskeln, unserer Drüsen) beruht. Auch schützen die Stärkestoffe Eiweiß -und Fett vor Zerfall. Überschüssige Stärkestoffe werden im Körper als Fett aufgespeichert.