Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1910-08-01 · 12 (8.1910) · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
12 (8.1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4903180-5965937-5965964--261-4903423
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

200 Woher beziehen wir die Stärkestoffe? Meist aus der Pflanzenwelt, deren Hauptbestandteil sie bilden. Diese Stoffe sind im Stärkemehl enthalten, ferner in den verschiedenen Zuckerarten und besonders in der „Cellulose", der Rohfaser, die wir mitgenießen, ohne sie verdauen zu können. Aus der Tierwelt beziehen wir keine Stärkestoffe — mit einer Ausnahme. Die Milch uämlich, die ja alle für den Säugling notwendigen Nährstoffe euihalten muß, enthält auch ca. 5 % Milchzucker. Die Tierwelt liefert uns hauptsächlich Eiweiß und Fett (Fleisch, Käse, Eier), die Pflanzenwelt hauptsächlich Stärkestoffe, dagegen sehr wenig Eiweiß und Fett. Doch giebt es auch Pflanzen, die sogar recht viel Eiweiß enthalten -T das sind die Hülsenfrüchte: Erbsen, Bohnen und Linsen. Natürlich ist dieses Pflanzeneiweiß billiger als Fleischeiweiß, dafür wird es aber vom Körper schlechter ausgenutzt, denn es ist in Cellulose eingeschloffen. Sokommen wir wieder zu dem Schluß, daß, wer alle nötigen Stoffe in genügender Menge aufnehmen will, der gemischten Nahrung bedarf. Die Pflanzennahrung muß meist vor dem Genuß gekocht oder gebacken werden, damit sie der Darm verdauen und anfsaugen kann. Dir Rohfaser wird, wie gesagt, nicht verdaut und geht wieder ab. Nächst den Brotfrüchten ist die Kartoffelknolle die beliebteste und verbreitetste Pflanzennahrung. Sie ist billig, schmackhaft und nahrhaft. Vor den Hülsenfrüchten hat sie den Vorteil, daß man sie immer wieder genießen kann, ohne daß Abneigung gegen die Aufnahme eintritt. Einseitige Kartoffelnahrung ist, wie wir leider unter den ärmsten Schichten oft konstatieren muffen, schädlich, weil es an Eiweiß mangelt, das aus Fleisch, Milch oder Käse bezogen werden muß. Es giebt bekanntlich „Vegetarier", die ausschließlich von Pflanzenkost leben. Es ist praktisch und wiffenschaftlich erwiesen, daß eine solche Ernährung durchführbar ist, besonders wenn der Vegetarier aus einigen tierischen Produkten (Milch, Ei, Käse) das nötige Eiweiß bezieht. Aber wie jede Einseitigkeit, so ist auch diese von Uebel. Nennen wir einige der Nachteile. Die Pflanzenkost ist sehr wasserreich, besonders das Gemüse. So enthalten die Pilze etwa 90 °/o Wasser, die Gurke über 95 %. Während z. B das Fleisch also einen sehr „concentrierten" Nährwert hat, gehört eine große Menge Pflanzenkost dazu, um den gleichen Nährwert zn erzielen. Pflanzennahruug ist also maffig, und einseitige Pflanzenkost bedeutet daher eine Ueberlastung und Ueberanftrengung des Magens und Darms, sodaß es zur Erweiterung des Magens und so zu allerlei Beschwerden kommt. Selbst Weißbrot enthält ja 74 % Wasser, die Kartoffel 85%, Schwarzbrot 86%. In Gemüse und Obst sind die Nährstoffe noch geringer. Der wahre Nährwert unseres gewöhnlichen Obstes ist ' kaum der Rede wert, wenn wir von den Bananen und Kastanien absehen, die ebenso reich an Stärke sind, wie die Brotfrucht. Also die einsestige Pflanzenkost muß den Darm überanstrengen, auch wird man bald ihrer überdrüssig und empfindet vor ihr Widerwillen. Auch nutzen die Verdauungssäfte die Pflanzenkost sehr schlecht aus, gerade weil sie so massiv ist, und die Säfte nicht innig an sie herantreten können. Uebermäßiger Genuß von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.